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TRIO CHEMIRANI / DAWAR. DAS WUNDER DER PERSISCHEN PERCUSSION / IRAN :::

Trio Chemirani

Djamchid Chemirani und seine 2 Söhne Kevyan &  Bijan CHEMIRANI

Als Vertreter der klassischen persischen Musik erweitert das Trio um Djamschid Chemirani und seine beiden Söhne Keyvan und Bijan den musikalischen Horizont, indem es Klänge und Emotionen unterschiedlichster kultureller Traditionen der Welt auf überzeugende Weise zu integrieren versteht. Hierbei entsteht etwas, das seinen Nachhall nicht nur im Körper findet, sondern auch im Geist. Auch wenn Jamschid Chemirani in klassischer persischer Musik ausgebildet wurde, so hat er sich doch nie ausschließlich auf dieses Genre beschränkt. Bereits im Jahr 1985 arbeitete er mit dem berühmten britischen Regisseur Peter Brook an dessen Produktion der "Mahabharata", des indischen Epos vom Leben der Götter.

Chemiranis Söhne wurden, so zeigte sich, nicht nur von der Musik ihres Vaters beeinflusst, sondern auch von seiner Neugier auf andere musikalische Ausdrucksformen, was sie schließlich dazu veranlasste, sich intensiver mit fremden musikalischen Traditionen zu befassen. Dabei interessierten sie sich aber nicht ausschließlich für die Musik, sondern studierten außerdem Sprachen und erforschten, in welcher Weise sich kulturelle Sprachmuster auf Musik auswirken können, wenn unterschiedliche Musiker zusammenarbeiten.

Was bei "ihnen  zusammenfließt, sind die Studien der Söhne und die musikalische Tradition des Vaters. Während die Instrumente Zarb (oder Tombak), eine traditionelle hölzerne Bechertrommel, von allen drei Musikern gespielt wird, spielt der jüngere der beiden Brüder auch die Daf, eine persische Rahmentrommel. Gelegentlich wird die Perkussion noch angereichert durch einen von Keyvan gespielten persischen Santur, ein Instrument, das mit Holzschlägeln gespielt wird und mit dem europäischen Hackbrett verwandt ist, sowie durch seinen Bruder Bijan, wenn er die Saz (oder Baglama) spielt, ein viersaitiges Instrument mit langem Hals.

So kreirt das Trio  einen universellen Rhythmus, der sich in eine universelle Sprache übertragen lässt. Auch wenn jeder Hörer seinen eigenen Geschmack und eigene Vorlieben haben mag, so wird doch jeder in der Musik etwas für sich entdecken.Wenn man diesen drei Männern beim Musizieren zuhört, ist man unweigerlich fasziniert von der Klangvielfalt und vom Reichtum an Emotionen, die sie mit so wenigen und einfachen Instrumenten zu transportieren in der Lage sind. Jedes Lied ist wie ein kunstvoll gestalteter Teppich, gewebt aus rhythmischen Mustern, mit denen ein Bild voller Schönheit erschaffen wird.

Djamchid Chemirani

Djamchid Chemirani ist ein 1942 in Teheran geborener Musiker. Sein großes Improvisationstalent in Verbindung mit einer tadellosen Technik macht ihn zu einem gesuchten Interpreten unter den Perkussionisten. Er nahm schon in sehr jungen Jahren Zarb-Unterricht bei dem Meister Hossein Teherani, der den Wandel des Zarb vom Begleitinstrument zum Soloinstrument vorantrieb. Er war ein überaus begabter Schüler, so dass er seinen Lehrer regelmäßig bei Konzerten im iranischen Rundfunk und Fernsehen vertrat. Schnell war er als sein würdiger Nachfolger anerkannt; er begann eine internationale Karriere und trat schon bald an der Seite der bedeutendsten persischen Meister auf (Darioush Tala’i, Majid Kiani...). 1961 ließ er sich in Frankreich nieder, und das französische Publikum hatte Gelegenheit, ihn in zahlreichen Konzerten im Théâtre de la Ville zu entdecken. Er erschloss dem Instrument neue Ausdrucksformen wie das Theater – er war an Mahabharata von Peter Brook beteiligt –, den Tanz (Maurice Béjart, Carolyn Carlson), den Jazz und die Musik des Mittelalters (Clemencic Consort...). Er hat zahlreiche Musiker in den Techniken des Zarb unterwiesen, u.a. Jean-Pierre Drouet, den Komponisten zeitgenössischer Musik, mit dem er gelegentlich auftritt, und Bruno Caillat. Seine vielversprechendsten Schüler waren aber seine Söhne Bijan und Keyvan. Neben dem Zarb spielen seine beiden Söhne auch andere orientalische Perkussionsinstrumente, etwa den Daf, den Bendir und den Udu. Ihr Trio, dessen Stärke, wie man sich denken kann, ihre starke Verbundenheit ist, ist die Attraktion der Weltmusikfestivals und hat in aller Welt Erfolg (Sydney Opera House, Oper Peking, Oper Taiwan, Vereinigte Staaten, Europa...). Virtuos und stets offen für Neues, war es an zahlreichen Produktionen in den verschiedensten Bereichen der Musik beteiligt.

Bijan Chemirani

Mitte der 80er Jahre griff Bijan Chemirani im Alter von 7 Jahren erstmals nach einem Musikinstrument. Was seine Finger damals dem Zarb aus Pappmaché entlockten, den sein Vater aus dem Iran mitgebracht hatte, war ein alles andere als vollkommener Rhythmus, aber nachdem er lange genug zugehört, beobachtet und geübt hatte, wurde Bijan wie sein Vater und sein Bruder  Keyvan ein Meister des Zarb. Er studierte den Zarb allein mit seinem Vater oder im Trio mit seinem älteren Bruder Keyvan. Ende der 90er Jahre hielten Djamchid und Keyvan die Zeit für gekommen, mit Bijan das Trio Chemirani zu gründen. Ihr virtuoses Zusammenspiel setzt die Liebhaber traditioneller Musik ebenso in Erstaunen wie erfahrene Musikliebhaber. Sie haben Freude am Unerwarteten und suchen die Zusammenarbeit mit anderen Musikern. Die Begegnung mit dem auf Kreta lebenden irischen Musiker Ross Daly war von ganz besonderer Bedeutung. Seiner Meinung nach „sollte sich die traditionelle Musik vom Erfindungsreichtum der Musiker von heute ebenso befruchten lassen wie durch die Kenntnis der Vergangenheit“. Diese Philosophie war für Bijan ein Aha-Erlebnis. Der in Marseille lebende Bijan war dem imaginären Mittelmeer-Reisenden ebenso nahe wie den jungen okzitanischen Musikern, die Form und Inhalt ihrer Musik erforschen. Sein 2001 erschienenes Album Gulistan ist ein Spiegel seiner künstlerischen Entwicklung. Beteiligt waren sein Bruder und sein Vater, Ross Daly und der Grieche Socratis Sinopoulos, aber auch der Komponist Henri Agnel und der okzitanische Sänger Manu Théron. Ein Jahr später auf Eos hat sich seine Arbeit als Komponist verfeinert und sein Horizont erweitert. Neben den Perkussionsinstrumenten spielt er nun die Laute Saz. Es wirken mit: der senegalesische Sänger Pape N’Diaye, der Multiinstrumentalist Loy Ehrlich, der Jazzgitarrist Pierre Ruiz, der Spieler des armenischen Duduk Levon Minassian, seine Schwestern Mardjane und Maryam Gesang und vor allem der Kreter Stelios Petrakis. Mit diesem ehemaligen Schüler von Ross Daly setzt er die Klangabenteuer fort, und es erscheint die Duo-CD Kismet. Das Ansehen Bijans nimmt zu, und es häufen sich die Projekte der Zusammenarbeit mit anderen Musikern. Seine Fingerfertigkeit und sein breites künstlerisches Spektrum machen ihn für Künstler wie den Saxophonisten Jean-Marc Padovani, den Klarinettisten Yom, den Mandolinenspieler Patrick Vaillant, den Flamencogitarristen Juan Carmona, die marokkanische Sängerin Amina Alaoui, die bretonische Sängerin Annie Ebrel und den in Marseille lebenden Sam Karpienia attraktiv. Selbst Serge Teyssot-Gay, früher Mitglied von Noir Désir, und Sting von Police machen sich seine Vielseitigkeit zunutze. 2007 gründet er zusammen mit seiner Schwester Maryam und der griechischen Sängerin Maria Simoglou, dem Nay-Spieler Harris Lambrakis, dem Gitarristen Kevin Seddiki und dem Drehleierspieler Pierlo Bertolino die Gruppe Oneira. Als Experimentierfeld der Begegnung der Musiktraditionen und gemeinsamer Träume, wo jeder sich einbringt mit seinem Einfallsreichtum und seinem Talent, bringt Oneira 2009 ein erstes Album heraus, Si La Mar, auf das 2012 Tâle Yâd folgt. Daneben findet Bijan immer noch Zeit, mit dem Familientrio zu spielen, mit dem Trio Lopez, Petrakis, Chemirani, dem Forabandit-Projekt, in dem sich der Gründer von Dupain, Sam Karpienia, und der türkische Musiker Ulaş Ozdemir zusammengefunden haben, und auch noch, in seinem eigenen Tempo an einem Soloprojekt zu arbeiten.

Keyvan Chemirani

Keyvan ist auf den Höhen des Hügellands von Manosque in den Alpes de Hautes Provence aufgewachsen und nahm begierig die Musik des Orients und des Mittelmeers in sich auf. Sein Vater und Lehrer Djamchid Chemirani gab das traditionelle Wissen an ihn weiter. Keyvan spielte den Zarb (oder Tombak), den iranischen Daf, den Udu sowie den Bendir und den Riqq. Mit seinem Vater und Lehrer Djamchid und seinem Bruder Bijan bildete er das Trio Chemirani, und sie traten in aller Welt auf. Das Trio führte seinem Publikum die unendlichen Möglichkeiten der persischen Perkussionsinstrumente vor. Von den modalen Musikformen des Mittelmeers und den berühmten Interpreten des Jazz gleichermaßen beeinflusst, versuchte er eine diesen ungleichartigen Musikkulturen gemeinsame Klangsprache zu finden. Als der produktive und vielseitig interessierte Musiker, der er war, engagierte sich Keyvan Chemirani in sehr erfolgreichen Gemeinschaftsprojekten mit dem Ensemble Kudsi Erguner (osmanische Musik), dem Ensemble von Ross Daly (griechische und türkische Musik), Eric Marchand und Titi Robin, Françoise Atlan (jüdisch-spanische Instrumental- und Vokalmusik), Juan Carmona (Flamenco) wie auch mit Jazz-Formationen, Ensembles der zeitgenössischen oder der improvisierten Musik. Er arbeitet schon seit einigen Jahren mit Renaud Garcia Fons und Sylvain Luc zusammen. Die erste eigene Produktion Keyvan Chemiranis, Le Rythme de la parole, kam 2004 heraus, ein anspruchsvolles Projekt, für das er Gastmusiker der verschiedensten Musikgenres um sich scharte. Auf dieses erste Projekt folgte 2006 Rythme de la parole II, das Ali Reza Ghorbani, Nahawa Doumbia und Sudha Raghunathan, drei Sänger von Weltgeltung, in Szene setzte, jeder Vertreter einer Vokaltradition. Beim Festival International des Musiques Nomades 2005 lernte Keyvan Chemirani den mauretanischen Sänger Mohamed Salem Ould Meydah kennen. Dieser musikalische „coup de foudre“ führte zu dem Projekt „Tahawol“, einer Begegnung, wie es sie noch nie gegeben hatte, zwischen persischen Perkussionsinstrumenten, Flamenco in Tanz und Gesang und mauretanischem Gesang. Durch seine Teilnahme an Projekten in Royaumont, bei denen orale Slam-Poetry und musikalisches Experiment zusammentreffen – „Slam et percussions“ (Erstaufführung 2005 mit Serge Teyssot Gay, Bijan Chemirani, Frederic Netcheverlian und Mike Ladd) und „Slam et souffle“ (Erstaufführung 2006 mit Felix J., Nada und Abdel Haq Aïd Saïd) – übertrug Keyvan Chemirani die von ihm angeregte Verknüpfung prosodischer und musikalischer Strukturen mehrerer Gesangssprachen auf Genres der zeitgenössischen und der urbanen Musik. Wichtigstes Ereignis im Jahr 2008 war seine Begegnung mit dem indischen Tabla von Pandit Anindo Chatterjee, die in der CD Battements au coeur de l’Orient konkretisiert wurde. Die persischen Perkussionsinstrumente als eine Syntax aufzufassen, die auf die Musik oraler oder schriftlicher Traditionen der ganzen Welt angewandt und künstlerisch nutzbar gemacht werden kann: das ist das hochgesteckte Ziel und der faszinierende Weg, den Keyvan Chemirani geht, um nach und nach das persische Musikerbe, das ihm sein Vater Djamchid Chemirani vermittelt hat, in Musikschöpfungen verschiedenster Formen zu verwandeln. Deshalb kann er im Alter von 39 Jahren nun selbst das Vermächtnis der oralen Tradition unterrichten und doch eine zeitgemäße Ausrichtung im Auge behalten.

 

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