treibhaus

Kulturprogramm für Stadtbenützer

Spielplatz am Volksgarten. Angerzellgasse 8, 6020 Innsbruck. Geöffnet täglich von 10 bis 1

THOMAS GASSNER: DIE LETZTE RUNDE DER MENSCHHEIT - SOLO eines MiSANTHROPEN

Peter Alexander, nicht der berühmte, sondern der wegen seines Namens oft genervte Anfang 50er, wartet in der „08/15-Bar“ auf das Ergebnis eines Ausbildungs-Zulassungsgespräches.  Er erzählt, warum ihm Menschen, besonders in Gruppen, immer schon ein Gräuel waren. Zeit seines Lebens hat er versucht, gegen seine Misanthropie anzukämpfen, scheiterte aber mit all seinen Bemühungen bereits im Kindergarten, bei diversen Vereinen und Arbeitsstellen. Ähnlich erging es ihm in Beziehungen. Er ist weder moralisch noch unmoralisch, weder gut noch böse und auf gar keinen Fall korrumpierbar, nicht von den sogenannten Bösen, aber auch nicht von den sogenannten Guten – kurz, es gibt wohl nur Wenige, die er im Laufe seines Lebens nicht mit seinen Wahrheiten vor den Kopf gestoßen hat.
Jetzt mit Anfang 50 will er es noch ein letztes Mal wissen. Er startet noch einmal einen Versuch, in seinem Leben Fuß zu fassen. 
Eine neue Ausbildung scheint wie gemacht für ihn. Ein dreijähriges Bachelor-Studium zum „Contract-Killer“ auf einer Privatuni mit Ausbildungscamp auf über 2.500 Metern mitten in den Tiroler Alpen.
Werden wir Zeugen wie ein durchschnittlicher Lebensentwurf mitten in unserer degenerierten Wohlstands-Gesellschaft frischen und lebensbejahenden Aufwind bekommt. 
Zum Wohl!

Frei im Theater 26
Die Geburtsstunde eines Soloabends 
Kolumne "Frei im Theater" von Christine Frei

Es war eine Premiere der besonderen Art vergangenen Samstag. Einen Tag nach der leider verregneten Eröffnungsshow von Theater unter Sternen präsentierte Multitalent Thomas Gassner dort seinen ersten Soloabend. 
Die Lebensgeschichte eines ebenso scharfsinnigen wie scharfzüngigen Tiroler Misanthropen, was ja per se jedem empirischen Befund widerspricht. Nicht die Menschenfeindlichkeit oder Menschenverachtung, sondern der intellektuelle Durchblick gepaart mit einer fast schon pathologischen Unkorrumpierbarkeit. 
Denn Gassners Figur will im Gegensatz zum klassischen Vereinsmeier und Gruppen- und Community-Junkie unserer Tage seit frühester Kindheit nirgends dazugehören. Schon da nimmt er jedwedes Fehlverhalten der anderen auf sich, um sich in der Abstellkammer zu absentieren Was sich möglicherweise durch die fehlgeleitete Namensgebung erklären lässt.

Als Peter Alexander ist er definitiv der inkorporierte Etikettenschwindel. Denn er macht sich die Welt keinesfalls lustiger, als sie je war. Ganz im Gegenteil, diagnostiziert er uns Menschen doch als tickende Zeitbomben, als Affen mit Gendefekt und autoaggressiver Grundhaltung. Für ihn ist klar: Allein schon für die Umwelt müssen wir verschwinden. Je eher, desto besser, befinden wir uns doch ohnehin in der „Letzten Runde der Menschheit“ - so auch der Titel des Abends. 
Folglich erscheint ein Studium zum Contract Killer an der Andreas-Hofer-Privatuniversität als folgerichtiger Abschluss seiner konsequenten Antikarriere. Thomas Gassners erster Soloabend ist vieles: klug, kompromisslos, strange, verquer – und gerade in seiner radikalen Ehrlichkeit grandios komisch. 
Bin schon sehr gespannt auf Fortsetzung und Weiterentwicklung …

Thomas Gassner

Thomas Gassner (* ca. 1500 in Bludenz; † 13. Februar 1548 in Lindau) war ein reformierter Theologe und Reformator. Über seine Herkunft ist nichts bekannt. Eine akademische Bildung hat er nicht gehabt. Zuerst wird er als Kaplan beim Vogt von Bregenz in Hohenems genannt. Wegen seiner evangelischen Gesinnung musste er 1524 fliehen und kam nach Lindau, wo er gern aufgenommen wurde und bald der führende Prädikant war. Im März 1525 feierte er dort das erste evangelische Abendmahl. Der Bauernkrieg wirkte hemmend ein. Gassner war ein „seufzender Zuschauer“. 
Er riet der Obrigkeit zu milden Maßnahmen. Bald wurden unter seinem Einfluss sittliche Reformen in der Stadt durchgeführt. War er zuerst stark von Martin Luthers Schriften beeindruckt, so geriet er allmählich unter Schweizer Einfluss. Durch die Berner Disputation bestärkt, ließ er endgültig die Messe abschaffen, Stifte und Klöster schließen. Schon 1528 wurden teilweise, 1530 allgemein die Bilder beseitigt. Dieses Jahr bedeutete einen tiefen Einschnitt: Lindau unterschrieb die Confessio Tetrapolitana und näherte sich den Straßburgern. 
Nun begann Gassners innerkirchliche Wirksamkeit. Von ihm, der 1530 die vorgesehene Äbtissin Katharina von Ramschwag heiratete und von den Bürgern sehr geliebt wurde, rührt die Lindauer Zuchtordnung von 1533 her (Einfluss des Zürcher Ehegerichts und der Konstanzer Zuchtordnung). Gassner trat auch für die Wittenberger Konkordie ein, ohne selbst dabei gewesen zu sein. Martin Bucer brachte die Beziehung zustande. Obwohl er das gesamte Lindauer Kirchenwesen leitete, ordnete Gassner sich dem Rat unter. Im Alter trat seine Neigung zum Luthertum deutlicher hervor.

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