Ein ungewöhnliches & stimmiges Doppelkonzert: Die Cellistin und Sängerin Sophie Abraham eröffnet mit einem beeindruckenden Statement für die Schönheit der Vielfalt, die Gravögl setzen nach mit Folk-Rock voller Poesie

Die in Groningen (Niederlande) geborene Cellistin Sophie Abraham komponiert, interpretiert und improvisiert mit großer Lust entlang musikalisch-kreativer Grenzüberschreitungen. Zwischen Klassik, zeitgenössischen Kompositionen und experimentellen Klanglandschaften. Sie studierte Konzertfach an der Grazer KUG bei Prof. R. Leopold und an der Wiener MDW bei Prof. R. Latzko. Nun lernt sie weiter im radio.string.quartet, im Trio Frühstück, in ihren Soloprogrammen und in Ensembles mit u.a. Julia Lacherstorfer, Thomas Gansch, Manu Delago, Lukas Kranzelbinder, Christian Bakanic, Yvonne Moriel, Dhafer Youssef. 2024 gewinnt sie den Kulturpreis des Landes Niederösterreich, ist „Intendanz” bei ‚Musik Aktuell NÖ und erhält im gleichen Jahr 2025 das Österreichische Staatstipendium für Komposition.
Das neue Album The Beauty in Between ist eine Ode an die Kraft der Zwischenräume, die unendlichen Facetten des Androgynen und nicht Festzulegenden. Sophie Abrahams Musik ist zugleich musikalisches, persönliches und gesellschaftspolitisches Statement für die Schönheit der Vielfalt - jenseits von Fronten, Grenzen und Ausschlüssen. Wie in ihrem 2021 erschienenen ersten Soloalbum Brothers (nominiert für den Amadeus Award und den Preis der deutschen Schallplattenkritik 2022) sind persönliche Erlebnisse Ausgangspunkt für die Kompositionen der Cellistin. Mit ihrem Instrument ertastet sie unbeschrittene Wege entlang stiller und heilsamer Explosionen, die sanft musikalische Schubladen und Stereotype sprengen und musikalische Genres erweitern. Entstanden ist ein eindringliches Plädoyer für die Relevanz eines Dazwischen.
Albert Hosp zu Sophie Abraham: Den Finger auf die Saite legen, diese aber nicht niederdrücken, sie nur berühren, zart, an ganz bestimmten Stellen: So entsteht ein Flageolett-Ton. Er klingt entrückt, braucht aber den ganzen großen Körper des Violoncellos, um sich zu entfalten. Er ist schwerelos und hat doch Gewicht. Er flammt aus der Stille auf, wie ein Funken aus der Dunkelheit. Sophie Abrahams Spiel ist insgesamt so: Schwebende Leichtigkeit mit starkem Fundament. Wie ein Flageolett-Ton.
Gravögl sind Singvögel. In diesem konkreten Fall derer vier. Da schallt es erdig durch den Nebel des Überflusses. Da wird Sprache bewahrt. Da trifft Schwermut auf Hoffnungsschimmer und man hat gemeinsam Spaß. Stimmen die ineinander fließen, Gitarren, die malerisch in dunklen Zeiten schwelgen und Rhythmus, der sich an all das schmiegt anstatt zu Zähmen. Mostviertler Dialekt Folk. Das neue Album "Imma Is Irgendwos" erschien am 12.01.2024 bei Bader Molden Recordings.
Ernst Molden schreibt: Vor ein paar Jahren, nach einem Konzert in irgendeinem zentral-niederösterreichischem Club, vielleicht Melk, vielleicht Krems, vielleicht Sankt Pölten, kam ein schöner junger Mann zu mir. Er heiße Thomas Gravogl, sagte er und schenkte mir in ansonsten wortkarger Grandezza eine Schallplatte. Das Cover zeigte eine Krähenfeder, „Gravögl“ stand drauf, und der Titel: „In da Finstan“. Das Ganze war ein schöner Moment.
Als ich die Platte anderntags hörte, war ich begeistet, und mehr noch, nach dem zweiten oder dritten Hören dauerhaft ein bisschen zum Besseren verändert. Der Dichter und Sänger Thomas Gravogl und seine Band, die Gravögl, stellte sich heraus, waren vier Zauberer aus dem bergigen Süden Niederösterreich, dort, wo sich Pielach- und Traisental durch sonnabgewandte Hügel immer höher in die waldigen Ostalpen schlängeln, in Richtung der Madonna von Mariazell und des mächtigen Ötschers. Wie diese wilde Gegend ausschaut, so klingen die Gravögl-Songs in ihrer weit zurückgelehnten Virtuosität. Es sind Outlaw(berg)balladen, Lieder, wie sie überall möglich sind, wenn auch überall nur ganz selten, und, yeah, halt auch in den Wäldern hinter Lilienfeld. Seit unserer Begegnung in diesem Club, an dessen Ort ich mich nicht mehr erinnere, haben Thomas Gravogl und ich immer wieder darüber gesprochen, einmal miteinander „was zu machen“. Jetzt veröfffentlichen Charlie Bader und ich das zweite Album der Gravögl: Imma is irgendwos. Es ist eine Lieblingsband. Es ist eine Freude.
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Die Kraft der Songs liegt in der Ruhe, die sie ausstrahlen. Sie fließen langsam, aber keineswegs höhepunktlos dahin. Und vom Liebeslied („Waun daun mit dir“) bis zum „Hochwasserlied“, das ein bisschen was von einem Protestsong hat, erweist sich das Album am Ende als erstaunlich vielschichtig. -Sebastian Fasthuber, Falter