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TOUMANI DIABATE

aus mail: TOUMANI & SIDIKI. eine überwältigende unterhaltung zwischen vater und sohn - auf der afrikanischen harfe.  

TOUMANI & SIDIKI  ist eine überwältigende Unterhaltung - zwischen Vater Toumani und Sohn Sidiki, Vergangenheit und Zukunft, Kraft und der Kunst der Selbstbeschränkung - dirigiert von der Kora, der 21-saitigen westafrikanischen Harfe, die die Diabaté-Dynastie zu einem der bedeutendsten afrikanischen Instrumente gemacht hat. Vater-Sohn-Kooperationen sind selten genug, die Verbindung zwischen Toumani und Sidiki Diabaté ist besonders eng. Was nicht nur an der jahrhundertelangen Familientradition der Griot-Sänger liegt, der die beiden vorstehen. Der englische “Guardian“ lobte dieses Album als “Toumanis beste Kooperation seit seiner Zusammenarbeit mit Ali Farka Touré“ und das “Mojo“ empfahl, sich einfach zu entscheiden, ob man seinen Ohren trauen möchte oder nicht. Der zweifache Grammy-Gewinner Toumani Diabaté gilt spätestens seit seiner Kooperation mit dem Gitarristen Ali Farka Touré als einer der bedeutendsten Musiker Westafrikas, Damon Albarn nannte ihn den “weltbestern Koraspieler“. Braucht es noch mehr Argumente?

Vater trifft auf Sohn, zwei Musiker-Generationen treffen aufeinander, die in einer schon 700 Jahre andauernden Tradition stehen, der größte lebende Kora-Spieler und zweifache Grammy-Preisträger Toumani Diabaté, der neben seinen eigenen Veröffentlichungen auch durch seine Zusammenarbeit mit Künstlern wie Taj Mahal, Herbie Hancock, Damon Albarn oder Björk bekannt wurde, trifft auf das ungestüme Talent seines Sohnes Sidiki, der in Malis Hauptstadt Bamako einer der bekanntesten “Beat Maker” des Landes ist. Aus dieser Konstellation heraus entstanden Duette für die Kora – oder besser Dialoge -, die der britische Guardian als „the finest Toumani collaboration since his [Toumani Diabaté's] classic work with Ali Farka Touré“ bezeichnet hat. World Circuit Records (Buena Vista Social Club z.b.) veröffentlicht diese Duette unter dem schlichten Titel Toumani & Sidiki

Das Repertoire basiert auf einer Mischung aus obskuren, fast vergessenen Korastücken und einem frischen Blick auf einige Mande-Klassiker aus Mali. „We’re not going backwards, trying to play just how my father and grandfather did these songs,” sagt Toumani dazu. “We have to do it our way. We’re modern griots, we live in the city, we’re connected to the world. The past meets the present for the future.” Toumani möchte mit dem Album angesichts der Berichte über die islamistischen Unruhen im Land eine positive Seite von Mali zeigen und den musikalischen Reichtum des Landes einer Weltöffentlichkeit präsentieren. Die Stücke sind in Griot-Tradition nach bestimmten Menschen, Orten oder Ereignissen wie z.B. „Lampedusa“ benannt.

Die fast telepathische Kommunikation zwischen den beiden Musikern und das gegenseitige Aufgreifen und Beenden von musikalischen Sätzen ist umwerfend. Die Kora – eine Harfe und eigentlich ein eher „ruhiges“ Instrument – wird von Toumani & Sidiki mit unglaublich viel Schwung, Groove, Witz, Swing, ekstatischer Begeisterung und größter Intimität gespielt. So klingt Toumani & Sidiki wie kein anderes Album von Kora-Duetten zuvor.


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Rezension aus FALTER 30/14
Ohne Worte: der Vater, der Sohn und die Tradition

Die Diabaté-Dynastie hat über Generationen die besten Kora-Spieler hervorgebracht. Nach Sidiki Diabaté (1922-1996), der als Virtuose auf der mit beiden Händen gezupften, 21-saitigen Stegharfe galt, hat sein Sohn Toumani (Jg. 1965) diese durch eigene Alben und Zusammenarbeiten mit Popstars wie Damon Albarn oder Björk noch bekannter gemacht. Seit einigen Jahren zeigt nun auch Toumanis 1990 geborener Sohn, der nach dem Großvater Sidiki heißt, heftig auf.
In der Kultur der Mande-Griots sind Vater und Sohn zwar traditionell Rivalen. Doch obwohl die beiden Dia­batés auf ihrem Duett-Album „Toumani & Sidiki” (World Circuit) großteils traditionelle Stücke interpretieren, stehen sie für die heutige Zeit. Sidiki, der sonst mit Hip-Hop-Musikern arbeitet, spielt die Kora in einem höllischen Tempo, ohne sich zu produzieren. Toumani steht für die leiseren, lyrischen Töne. Ein berührender Vater-Sohn-Dialog auf Augenhöhe, der ganz ohne Worte auskommt.


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Die Annahme, ein Generationenabstand dauere ca. 25 Jahre, verleiht Diabatés Aussage das angemessene Gewicht. "Ich stehe in der 71. Generation einer Familie von Kora-Spielern." Skeptiker mögen anmerken, dass hier europäische Verhältnisse zu Grunde gelegt werden und in Mali andere Bedingungen herrschen. Nehmen wir also an, ein westafrikanischer Generationenabstand betrüge ca. 15 Jahre, sprechen wir immer noch über eine 1065-jährige Familientradition. In anderen Berechnungen wird ihm eine 700-jährige Geschichte bescheinigt. Einigen wir uns darauf: Toumani Diabaté blickt auf eine verdammt lange Griot-Historie zurück.


So etwas bleibt genetisch nicht ohne Folgen. "Obwohl mein Vater als größter lebender Kora-Spieler galt, habe ich das Spiel nicht von ihm gelernt, ich hatte es schon im Blut. Aber ich hörte auch westliche Musik, Jimi Hendrix, James Brown, Otis Redding, Stevie Wonder. Seit damals wollte ich alles unternehmen, um eine universelle Pforte für die Kora zu öffnen, wobei ich sie immer als Identifikations-Instrument der Mandingue-Kultur respektiert habe."
Die Kora ist hierzulande als 21-saitige Steg-Harfe mit gewaltigem, von einer Kuhhaut überzogenem Kürbis-Resonanzkörper bekannt. Seit Jahrhunderten hat sich die Bau- und Spielweise des Instruments nur minimal verändert. Ursprünglich hatte Diabaté auch nicht geplant, die Spieltechnik des Instruments neu zu definieren. Dennoch erschafft er mit seinen beiden Soloalben "Kaira" (1987) und "The Mandé Variations" (2008) Werke, die als Meilensteine der Kora-Kunst amtieren. "Er entwickelte auf den 21 Saiten eine stupende Unabhängigkeit von Bass, begleitenden Mittelstimmen und Improvisation wie kein anderer vor ihm", heißt es über seine Fähigkeiten.
Zur Welt kommt Toumani Diabate am 10. August 1965 in Malis Hauptstadt Bamako. An den Sohn des berühmten Kora-Virtuosen Sidiki Diabaté, werden wie selbstverständlich die Erwartungen von 70 Generationen gestellt. Doch das belastet Toumani genauso wenig wie die Tatsache, dass sein Vater 1970 - als erster überhaupt - ein Koraalbum aufnimmt. Seine Leidenschaft für das Koraspiel ist so tief in seinen Genen verankert, dass er mit 22 Jahren der Weltöffentlichkeit "Kaira" präsentiert. Seine instrumentalen Fähigkeiten und sein unbeschwerter Sturm und Drang, lassen ein Solo-Debüt-Album reifen, das den Standard eines modernen, zeitgemäßen Kora-Spiels darlegt.
Bereits ein Jahr später feiert er in der spanischen Flamenco-Fusion-Band Ketama internationale Erfolge. Ihre Alben "Songhai" und "Songhai 2" gelten manchem als frühe Weltmusik-Perlen und Toumani Diabaté erspielt sich in den Ketama-Jahren einen erstklassigen Ruf als Experte in allen Kora-Fragen.
1999 baut er mit Mit Taj Mahal die Mali-Memphis-Brücke, die den Namen "Kulanjan" erhält. Das einzigartige Experiment Posaune/Kora, das er mit dem Free Jazz-Musiker Roswell Rudd kreiert, mündet 2003 in dem Album "Malicool".

2008 erscheint mit "The Mandé Variations" ein Meilenstein des Kora-Spiels.
Für "In The Heart Of The Moon" (mit Ali Farka Touré und Ry Cooder) erhält Diabaté 2006 einen Grammy! "In The Heart Of The Moon" ist ein monumentales Werk, das mit einem Klangkörper von über 50 Musikern "aus dem gesamten Gebiet des ehemaligen Mande-Reichs klar stellt, wer jenseits kolonialer Willkür in Westafrika zusammengehört" (Jazzthing). Damit setzt Diabaté neben musikalischen, auch politische Zeichen.
In der Folge des Grammy-Trubels sucht Damon Albarn (Blur, Gorillaz, The Good, The Bad & The Queen) den Kontakt zu Toumani Diabaté. Gemeinsam spielen sie "Mali Music" ein, das Albarn, gerüchteweise ohne Diabatés Erlaubnis, 2007 veröffentlicht. Überdies lädt Björk ihn in ihr eisiges Zuhause ein, um an "Volta" mitzuwirken.
2008 erscheint "The Mandé Variations". Nach über 20 Jahren veröffentlicht Toumani Diabaté damit sein zweites Soloalbum. Über das Opus ist zu lesen: "Mit seinen visionären Interpretationen klassischer Themen und bahnbrechenden Improvisationsstücken rangiert dieses Album ganz oben in der Liste der faszinierendsten und anspruchsvollsten afrikanischen Instrumentalalben." Dem ist nichts hinzuzufügen! Außer vielleicht, dass "The Mandé Variations" schlicht ein wunderschönes Album ist.
Gilt es noch zu klären, was es mit der Tradition der Griots auf sich hat? Lassen wir Toumani Diabaté antworten: "Heute gibt es Bücher über das Mande-Imperium, wir haben Internet und Handys und unsere Historie ist bekannt auf der ganzen Welt. Die Rolle des Griots heute, ist es also, die Kultur der Mande-Völker über Afrikas Grenzen hinauszutragen um andere Kulturen zu treffen. In der Tradition, der Religion, der Politik, auch in der heutigen, hat der Griot immer seinen Platz. Denn die Schule des Griots ist eine Schule des Lebens und des Todes, eine Schule, in der gelehrt wird, wie sich ein Mensch zu den anderen verhalten soll, wie ein Mensch Frieden stiften kann."