treibhaus

Kulturprogramm für Stadtbenützer

Spielplatz am Volksgarten. Angerzellgasse 8, 6020 Innsbruck. Geöffnet täglich von 10 bis 1

ERIC BURDON

&  some new animals: back in the HOUSE OF THE RISING SUN

Mit der Bluesfassung eines Volksliedes über ein schwarzes Bordell in New Orleans fing 1964 alles an. "House of the Rising Sun", so der Titel des Songs, machte Eric Burdon und seine Band "The Animals" weltbekannt. Eric Burdon gehört zu den wenigen weißen Musikern, die sich ganz und gar der Musik der Afroamerikaner verschrieben haben. Soul und Blues bestimmen das Leben des in Newcastle, Nordengland geborenen Musikers. 1970 trat er in London gemeinsam mit der Bluesband War und dem legendäre Jimi Hendrix auf. Wenige Tage später starb Hendrix. Auch für Burdon wurden Drogen und Alkohol zur Lebensbedrohung. Ein exzessives Musikerleben zerrte an seinen Kräften und führte zu Zusammenbrüchen und Zwangspausen. Doch Burdon hat sich immer wieder gefangen und kann inzwischen auf eine 40jährige Bühnenkarriere zurückblicken.

laut.de:
Der Mann scheint unverwüstlich. Auch im neuen Jahrtausend tingelt Eric Burdon durch die Lande und beweist, dass er immer noch den Blues in die Stimme legen kann, wie kaum ein anderer Weißer.
Mag das Gesicht auch noch so sehr von Exzessen gekennzeichnet: Bei solchen Gelegenheiten kann der 1941 im englischen Newcastle upon Tyne geborene Burdon vierzig Jahre Bühnenerfahrung in die Waagschale werfen: Seine ersten Auftritte absolviert er 1961 in Alexis Korners Band Blues Incorporated. Korner macht ihn mit Alan Price bekannt und bereits 1962 wechselt Burdon zur Alan Price Rhythm & Blues Combo, die sich noch im selben Jahr in Animals umbenennt. Nicht zuletzt, um mit dem alten Namen auch die Erfolglosigkeit abzustreifen.
Im März 1964 veröffentlichen die Animals ihr erstes Album, die erste Single "Baby Let Me Take You Home" erreicht Platz fünfzehn der englischen Charts und damit immerhin schon einen Achtungserfolg. Die anschließende England-Tour mit Chuck Berry unterbrechen die Animals nur kurz, um in einer knapp 20-minütigen Session "The House Of The Rising Sun" einzuspielen. An der Komposition des Songs sind die Mitglieder der Animals (Alan Price, Chas Chandler, John Steel, Hilton Valentine und Eric Burdon) gleichermaßen beteiligt, aufgrund eines Missverständnisses wird jedoch auf dem Label nur Alan Price als Autor angegeben. Den anderen wird das eher wurscht gewesen sein, sie können ja nicht ahnen, dass ausgerechnet dieser Song nach wenigen Wochen die Charts der halben Welt dominiert und die Animals sogar in der amerikanischen Heimat des Blues zu Superstars macht. Als aber Alan 1965 bei den Animals aussteigt, nimmt er die Rechte an dem Song mit, was dem Rest der Band natürlich sauer aufstößt.

Nach nur vier teils recht poppigen Alben lösen sich die Animals 1966 auf und Eric Burdon wendet sich wieder mehr dem Blues zu. Mit Barry Jenkins, der auch schon bei den Animals getrommelt hatte, gründet er eine neue Band, Eric Burdon And The Animals. Zu den Hits, die Ende der Sechziger, also auf dem Höhepunkt der Hippie-Bewegung entstehen, zählen das großartige "When I Was Young" und "Monterey", in dem Burdon seine erste Begegnung mit LSD auf dem Monterey Pop Festival im Juni 1967 verarbeitet.

Im Sommer 1969 lernt Burdon The Night Shift kennen, deren energetischer Bluesfunk ihn sofort tief beeindruckt. Gemeinsam bilden sie eine neue Combo namens War. "Eric Burdon declares WAR" nennen sie ihre auf beiden Seiten des Atlantiks sehr erfolgreiche erste Scheibe. Am 14. September 1970 treten War mit einem berühmten Gast in Ronnie Scott's Club auf. Um diesen letzten öffentlichen Auftritt von Jimi Hendrix ranken sich mittlerweile die Legenden, das muss schon ein recht geiler Gig gewesen sein.

Zwei Tage darauf stirbt Hendrix an einer Überdosis. Anfang '71 bekommt auch Burdon eine erste Quittung für das zügellose Leben, als er nach einer Show zusammen bricht. Fortan leidet er unter ständiger Atemnot und Asthma; die Auszeit, die er sich gönnen muss, ist gleichzeitig das Ende von Eric Burdon And War und der Beginn einer weniger erfolgreichen Periode im Leben des weißen Bluessängers. Die Veröffentlichungen der 1973 gegründeten Eric Burdon Band gefallen nicht mal dem Chef selbst, das 75er Album "Stop" würde er am liebsten in der Versenkung verschwinden lassen, was ihm aber nicht gelingt.

Nachdem eine Reunion der Animals nur kurze Zeit Bestand hat, strandet der mittlerweile schwer drogenabhängige Burdon Ende der Siebziger in Deutschland. Hier besteht gerade großes Interesse an amerikanischem Blues und Eric kann sich eine Weile ganz gut über Wasser halten, indem er mit verschiedenen Bands (u.a. Eric Burdon's Fire Department) durch die deutschen Lande tingelt und seine alten Hits zum Besten gibt. Da ist manch peinlicher Auftritt dabei, bei einem Gig Anfang der Achtziger in Süddeutschland ist Burdon dermaßen dicht, dass ihn das Publikum nach zwanzig Minuten von der Bühne buht.

Nachdem er 1983 in Deutschland wegen Drogenmissbrauchs festgenommen wird, holen ihn die früheren Animals-Mitglieder nach Amerika zurück und versuchen eine erneute Reunion, die aber an Burdons persönlicher Misere scheitert. Daraufhin kehrt er nach England zurück und lebt eine Weile etwas zurückgezogener. Erst in den Neunzigern beginnt Burdons Stern wieder heller zu leuchten: Während einer Amerika-Tour mit Robby Krieger von den Doors trifft er auf Brian Auger, als die Eric Burdon-Brian Auger Band veröffentlichen die drei mit "Access All Areas" endlich einmal wieder eine gelungene Scheibe.

Nun erinnern sich auch die Amerikaner seiner großartigen Leistungen und nehmen 1995 die Animals sogar in die Rock'n'Roll Hall of Fame auf. Seitdem geht Burdon immer mal wieder mit der Eric Burdon's Flying I Band (seit 1999: Eric Burdon And The New Animals) auf Tour und zeigt, welch begnadeter Entertainer er immer noch ist. Nicht nur wegen dem fröhlichen Hemd und dem dicken Bauch hat man das Gefühl: Dieser Mann hat seinen Frieden gefunden.

Eine Einstellung, die sich auch auf Papier zeigt: Nach seiner frühen Autobiografie "I Used To Be An Animal, But I'm All Right Now" (1986) veröffentlicht er 2001 mit "Don't Let Me Be Misunderstood - A Memoir" eine zweite. 2004 erscheint die deutsche Ausgabe "My Secret Life". Den gleichen Titel trägt auch seine erste CD mit unveröffentlichten Material seit den 90er Jahren.


House Of The Rising Sun

There is a house in New Orleans?They call the 'Rising Sun'?And it's been the ruin of many a young poor boy?And, God, I know I'm one?My mother was a tailor?Sewed my new blue jeans?My father was a gamblin' man?Down in New Orleans?Now the only thing he ever needs?Is a suitcase and a trunk?And the only time he's satisfied?Is when he's on a drunk?Oh, Mother tell your children ?Not to do what I have done?Spend your lives in sin and misery?In the House of the Rising Sun?With one foot on the platform?And the other foot on the train?I know he's back to New Orleans?To wear that ball and chain ?Well there is a house in New Orleans?They call the 'Rising Sun'?And its been the ruin of many a young poor boy?And God, I know I'm one
(Trad. arr. Burdon/Chandler/Price/Steele/Valentine)

Eric Burdon: My Secret Life.
Die Autobiographie mit J. Marshall Craig. Vorwort von Udo Lindenberg. Aus dem Englischen von Clemens Brunn.
titel der englischen originalausgabe:
ERIC BURDON. DON'T LET ME BE MUSUNDERSTOOD

Es war einmal ein ziemlich bekannter Rockmusiksuperstar, der in den sechziger Jahren mit „The House Of The Rising Sun“ einen phänomenalen Nummer-Eins-Hit hatte. Er stammt aus Newcastle upon Tyne und eroberte mit The Animals fast die ganze Welt. Er war ein Bluessänger, der die Musik der Schwarzen Amerikas verehrte, ihnen als Sänger nahe kommen wollte und der spätestens nach dem Split der Gruppe War künstlerisch fast nur noch auf absteigendem Ast tätig war.

Der Mann, von dem hier in der Vergangenheitsform geredet wird, ist quicklebendig und heißt Eric Burdon. Inzwischen dreiundsechzig Jahre alt, erzählt er in seiner nun auf deutsch erschienenen Autobiographie aus seinem bewegten Leben. Er entstammt einem einfachen Arbeitermilieu, war oben und oft unten, durchlebte viele persönliche Angelegenheiten und Krisen und engagierte sich auf der Seite der Unterdrückten und Benachteiligten. Von diesen Erlebnissen erzählt er ausführlich, schildert ziemlich offen die Höhen und Tiefen, die er als Rockstar durchlebte. Und prahlt mit seinen Kontakten und Bekannt- und Freundschaften zu anderen Größen aus Rock, Blues und Jazz.

Genau dieser Punkt ist es, der das Lesen nicht nur zum Vergnügen macht. Geradezu prominentengeil erwähnt Burdon an jeder Ecke, dass er da den getroffen habe und dort einen anderen wichtigen Menschen aus der Branche. Seine dicke Freundschaft mit Jimi Hendrix stellt er dabei besonders heraus. Es scheint so, dass ohne Burdon eine Zeitlang wenig lief im Rockmusikgeschäft. Der kleine Shouter aus Good Old England ist sogar dafür verantwortlich, das Destruktionsimage der Band The Who erfunden zu haben. Im Scene Club in London zertrümmerte er einmal einen weißen Flügel. „Die damalige Hausband des Clubs nannte sich The High Numbers; sie änderte ihren Namen aber bald in The Who. Pete Townshend war an jenem Abend vermutlich mit im Publikum, und ich bin überzeugt, dass die Reaktion des Publikums auf meinen Klavier-Stampftanz ihn auf die Idee zu der Instrumente-Demoliernummer gebracht hat, für die The Who berühmt geworden sind.“

Ohne Blatt vor dem Mund klagt er auch die Menschen an, die ihn (und seine Kumpels bei den Animals) um Einnahmen und Tantiemen betrogen haben. Besonders kräftig bekommt es bei dieser Heimzahlung der ehemalige Manager Mike Jeffery ab. Oft wirkt die Biographie wie ein Roman, weil Burdon ständig in direkter Rede schreibt und derart eine angebliche Authentizität verbreitet. Inwieweit da auch dichterische Freiheiten zum Zuge kamen, lässt sich kaum überprüfen.

Das Buch bereichert als zeitgeschichtliches Dokument zweifellos die Rockgeschichte und ihre Rezeption, ohne wirklich Neues aus dem Hut zu zaubern. Dafür reflektiert Eric Burdon zu wenig seine Musik und stellt sie nur nebenbei in einen historischen Zusammenhang. Er wollte wohl er eine populäre Biographie schreiben, die auch Sex and Crime nicht links liegen läßt. Über seine Musik erfährt der Leser eigentlich zu wenig. Und wenn, dann nur in Form von Erzählungen über Hitparadenplatzierungen oder Konzertreisen.

Im Original heißt das Buch „Don’t Let Me Be Misunderstood“. Warum es in deutsche Übersetzung „My Secret Life“ heißt, kann nicht nachvollzogen werden.

Textprobe:
„Wenn ich eine Frage wirklich nicht mehr hören kann, dann diese: Wann kommt die Wiedervereinigung der Original-Animals? Die kommt nie und nimmer. Darauf gebe ich mein Wort. Wir haben es schon versucht – mehrmals. Der letzte Versuch war eine solche Pleite, dass ich hoffe, es erinnert sich keiner mehr dran.“

Klaus Hübner