treibhaus

Kulturprogramm für Stadtbenützer

Spielplatz am Volksgarten. Angerzellgasse 8, 6020 Innsbruck. Geöffnet täglich von 10 bis 1

JENSEITS VOM CHRISTKINDLMARKT // DER neue TREIBHAUS-PASS // & MORE.

Den Treibhaus-Konzert-Paß (gilt bis 30.6.'20) oder Eintrittskarten als erlesene Genschenks-Papiere: das Winter & Frühjahr bereits im Vorverkauf. Von Rebekka Bakken bis John Scofield bis Lola Marsh, von Mascheks Jahresrückblick bis Manuel Rubey. Den Paß gibts endlich online - mit dem Link d(r)oben im Menu!

PORTICO QUARTET

die shooting stars aus london: eine Indie-Band, die „Post-Jazz“ spielt & an radiohead & cinematic orchestra erinnert.

Genau an dem Punkt, an dem man denkt, alles über Musik zu wissen, setzt eine Gruppe wie das Portico Quartet alle bekannten Parameter außer Kraft. Das Londoner Formation mischt Minimal Music, Jazz und Pop zu einem einzigartigen Sound. Erzeugt werden die unerhörten Klänge mit Saxofon, Bass, Schlagzeug und dem Hang - einem faszinierenden Schweizer Schlaginstrument, das wie ein außerirdisches Flugobjekt aussieht und das mit Manu Delago auch bei uns seinen Meister hat.
"Wir sind nirgendwo in der musikalischen Welt verortet, sondern machen einfach Musik. Am einen Tag fühlen wir uns der Jazzwelt verbunden, am nächsten sind wir eine Rockband, dann wieder eine Ambient-Combo. Ich mag das, denn es befreit." Außerdem weist es in eine Zukunft, die Entdeckungen verheißt. Hang sei Dank!

Duncan Bellamy Schlagzeug;
Milo Fitzpatrick Kontrabass;
Nick Mulvey Hang, Perkussion;
Jack Wyllie Sopran- und Tenorsaxophon/Elektronik.

"Es gibt keine Band, die im Entferntesten so klingt wie sie", "so cool, dass es schon schmerzt" und "wie Weltmusik aus der Zukunft" jubeln die ersten Kritiken über ihr Debüt-Album, das 2008 für den Mercury Music Prize nominiert wird. Für das zwei Jahre später erscheinende "Isla", wacht John Leckie über die Klangregler, der sich ansonsten um die Belange von Radiohead, Muse, Baaba Maal oder Papa Wemba kümmert.
"Isla" gibt den Begeisterungsstürmen neue Nahrung: "Sie beschwören den Geist von Philip Glass und Steve Reich genauso herauf wie den von Radiohead oder den einzigartigen skandinavischen Jazzklang von e.s.t.", heißt es auf der einen Seite, "sie sind Anfang 20, wohnen zusammen und verstehen sich selbst als Indie-Band, die Post-Jazz spielt", auf der anderen. Doch Kategorisierungen sind den Protagonisten eh egal. Jazz, World, Pop, Rock, Roots oder zeitgenössische Klassik, immer gilt: sowohl als auch.
Als eine ihrer bedeutendsten Inspirationsquellen, nennen alle vier Steve Reichs "Music For 18 Musicians". "Meine Mutter schenkte es mir zu meinem 15. Geburtstag", erinnert sich Mulvey, "und es war so - phwoo - Technicolor!" Bellamy ergänzt: "Klar, wir haben viel Glass und Reich gehört. Aber das Entscheidende ist, dass wir die Minimal Music mit einer Haltung verknüpfen, die du eher bei e.s.t., Avishai Cohen oder dem Cinematic Orchestra finden würdest."



Genau an dem Punkt, an dem man denkt, alles über Musik zu wissen, setzt eine Gruppe wie das Portico Quartet alle bekannten Parameter außer Kraft. Das Londoner Formation mischt Minimal Music, Jazz und Pop zu einem einzigartigen Sound. Erzeugt werden die unerhörten Klänge mit Saxofon, Bass, Schlagzeug und dem Hang - einem faszinierenden Schweizer Schlaginstrument, das wie ein außerirdisches Flugobjekt aussieht.

Portico Quartet - eine moderne Jazzgruppe
Portico Quartet besteht aus vier Jungs aus Süd-London, deren Album „Knee Deep in the North Sea“ 2008 auf der Shortlist des Mercury Prize stand. Was nichts anderes bedeutet, als dass das Debüt des Portico Quartet von der Preis-Jury zu den zwölf besten britischen Alben des Jahrgangs 2007/08 gezählt wurde. Damit die Schubladen nicht so leicht zugehen, charakterisieren die vier Musiker um den Saxophonisten Jack Wylie sich kurzerhand als „Indie-Band, die „Post-Jazz“ spielt.

Portico Quartet - vier Freunde aus London
Der Gelegenheitskauf des Hang (einem melodischem Schlaginstrument) auf einem Musik-festival bewegte Jack Willie, Milo Fitzpatrick, Nick Mulvey und Duncan Bellamy dazu eine Band zu gründen. Als Portico Quartet haben sie sich zusammengefunden und einen neuen Stil kreiert. Ihre Musik klingt durch die ungewöhnliche Besetzung leicht, eingängig und durchaus tanzbar, allerdings sind E-Musik- und Minimal-Referenzen gleichfalls nicht zu überhören.

Portico Quartet - der Sound des Hang
Es wird nicht oft ein neues Instrument erfunden, das ohne Umweg seinen Einzug ins internationale Musikgeschehen feiert. Das Ding, mit dem das Portico Quartet seinen typischen Sound formt, nennt sich Hang und wurde im Jahr 2000 im Schweizerischen Bern von Felix Rohner und Sabina Schärer entwickelt. Genau diese, vom Hang inspirierten, sich trancemäßig wiederholenden Motive, sind neben den Referenzen zu afrikanischer Musik die besonderen und unverkennbaren Merkmale der Portico Quartet Melodien.

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„Ist Brit Jazz das nächste große Ding? Oder vielleicht sogar das aktuelle große Ding? Auf jeden Fall wird diese junge Band aus London in Kürze eine der angesagtesten neuen Jazz Bands sein. Portico Quartet besteht aus vier Jungs aus Süd-London, deren Album „Knee Deep in the North Sea“ 2008 auf der Shortlist des Mercury Prize stand. Was nichts anderes bedeutet, als dass das Debüt des Portico Quartet von der Preis-Jury zu den zwölf besten britischen Alben des Jahrgangs 2007/08 gezählt wurde.

Damit die Schubladen nicht so leicht zugehen, charakterisieren die vier Musiker um den Saxophonisten Jack Wylie sich kurzerhand als „Indie-Band, die „Post-Jazz“ spielt“. Gut gebrüllt, denn das Portico Quartets ist mit Saxophon, Bass und Schlagzeug eigentlich recht konventionell besetzt, wäre da nicht Nick Mulvey, der das scheinbar archaische, de facto aber sehr junge schweizer Perkussionsinstrument Hang spielt, wodurch sich ein, Achtung!, afrikanischer und/oder karibischer Zug in den „Post-Jazz“ schleicht, denn der Hand-Sound erinnert an Steeldrums.
Die Musik des Portico Quartets klingt durch die ungewöhnliche Besetzung leicht, eingängig und durchaus tanzbar, allerdings sind E-Musik- und Minimal-Referenzen gleichfalls nicht zu überhören.“ Das aktuelle Album "Isla" weckt bei der Presse Erinnerungen an Radiohead (!) und verleitet zu Vergleichen mit ECM-Produktionen. In Wirklichkeit aber wurde "Isla" auf Peter Gabriels "Realworld"-Label veröffentlicht, und die Musik der Band ist wie nichts, das man bisher gehört hat ...



SPIEGEL

Mit dem Ufo zum Lauschangriff

Von Ralf Dombrowski



Toby Summerskill
Jazzband Portico Quartet mit Hang-Instrument: "Andere Bereiche des Hirns aktivieren"
Das Londoner Portico Quartet mischt Minimal Music, Jazz und Pop zu einem einzigartigen Sound. Erzeugt werden die unerhörten Klänge mit Saxofon, Bass und Schlagzeug - und einem faszinierenden Schweizer Schlaginstrument, das wie ein außerirdisches Flugobjekt aussieht.

Die Geschichte der Portico Quartets beginnt in Bern an einem Novemberabend 1999. Damals saß der Percussionist Reto Weber mit den befreundeten Instrumentenbauern Felix Rohner und Sabina Schärer zusammen. Gemeinsam ließen sie die Sinne schweifen, philosophierten über Freuden und Unzulänglichkeiten des Trommlerdaseins. Und dann fragte Weber, ob man nicht einen Klangkörper konstruieren könne, der die Eigenschaften verschiedener Instrumente, etwa der indischen Ghatam und der Steel Drum aus Trinidad, sinnvoll kombiniere.



Der Ehrgeiz war geweckt. Rohner und Schärer machten sich ans Werk und entwickelten in den folgenden Monaten das Hang, benannt nach dem Schweizer Wort für "Hand", denn das Instrument benötigte keine Sticks oder Klöppel zum Bespielen. Es sah aus wie eine Mischung aus Ufo und Wok, konnte in verschiedenen Stimmungen gedengelt werden und wurde im Frühjahr 2001 erstmals auf der Frankfurter Musikmesse der Öffentlichkeit vorgestellt.
Die Resonanz war wohlwollend bis begeistert. Die Schweizer Werkstatt bekam Aufträge, baute mehrere tausend Hangs, die alsbald in Fußgängerzonen, Trommelgruppen und Musikprojekten zu erleben waren. Da man das Instrument melodisch und perkussiv zugleich spielen konnte, es außerdem exotisch klang und futuristisch aussah, machte es Karriere, wurde beständig weiter entwickelt und auf Festivals herumgereicht.

Zusammen-Hang

Damit schließt sich der Kreis zum Portico Quartet. Denn das Hang war der Auslöser für die vier Londoner Jungs, überhaupt eine Band zu gründen. Vor sechs Jahren entdeckte der Perkussionist Nick Mulvey das Instrument bei einem Festival, kratzte ein paar Pfund zusammen und erstand ein Exemplar. Gemeinsam mit dem Trommelkollegen Duncan Bellamy erforschte er die Klangräume des Hang, traf wenige Monate später auf den Saxofonisten Jack Wyllie und den Bassisten Milo Fitzpatrick, die sich ebenfalls dafür begeisterten, und schließlich wuchs das Portico Quartet zusammen.

Das Instrument war nicht nur handlich und ungewohnt, sondern hatte noch einen weiteren Vorteil. Es knüpfte an keine Tradition an, die beachtet oder widerlegt werden musste. "Unsere Idee des Klangs hängt viel mit Offenheit zusammen", meint Nick Mulvey mit Blick auf die ersten Experimente. "Das Hang bestimmt diesen Sound, denn es ist ein ruhiges Instrument. Das wiederum erfordert von uns sehr viel Sensibilität im Spiel. Es ist diese Kombination der Erforschung des Hang und der Tatsache, dass es gut mit Saxofon, Kontrabass und Schlagzeug zusammenpasst, die uns zusammengeführt hat."

Bis hin zur gemeinsamen WG: Inzwischen wohnen Nick, Jack, Milo und Duncan gemeinsam in einem Haus in East London. Im Proberaum mit Blick auf den Garten werden die Songs komponiert und arrangiert. Man läuft zusammen zur Uni, saugt die Atmosphäre der Großstadt auf und verwandelt sie in Musik: "Wir erzählen Geschichten, aber sie sind schwer in Worte zu fassen. Wir wollen Raum schaffen, der Menschen inspiriert, Möglichkeiten, aus der normalen Zeit heraus zu treten, oder auch Abstraktionen, die andere Bereiche des Hirns aktivieren."

Von Steve Reich bis Radiohead

Die Musik der Portico Quartets irritiert. Denn so intuitiv die Mittzwanziger sich gefunden haben, so unüblich ist auch deren Sound-Vorstellung. Individuelle Vorlieben treffen aufeinander, Hörgewohnheiten, die durch Seminare an der School Of Orient and African Studies geprägt sind und im Proberaum die Chance bekommen, sich zu verbinden: "Wir haben dort Musik aus Japan und Indien, Zentral- und Westafrika, dem Mittleren Osten, Kuba, Brasilien und noch viel mehr kennengelernt. Da geht es mehr um die Verbindungen von Instrumenten und Umgebung, Musik und Politik, Geschlecht und Identität als um Spieltechnik."
Dazu kommen Einflüsse von Avant-Pop bis Minimal Music - und ein Produzent wie John Leckie, der die Band bei den Aufnahmen ihres zweiten Albums "Isla" begleitete. Er brachte bereits Pop-Visionäre wie Radiohead auf den Weg und beriet das Portico Quartet, das sein Debüt noch in Heimarbeit zusammen gepuzzelt hatte, bei der Arbeit in den legendären Beatles-Studios in der Abbey Road. Leckie unterstützte die Musiker darin, sich von keinen Einflüsterern der Musikindustrie beeindrucken zu lassen und stellte den Kontakt zu Peter Gabriels Real World Label her, bei dem die Newcomer schließlich landeten.

Das Resultat der Experimente im Studio klingt mal karg, mal hypnotisch dicht, stellenweise exotisch, dann wieder melancholisch und introvertiert. Für Nick Mulvey macht dieses schwer definierbare Klang- und Stilgemenge die Identität des Portico Quartets aus: "Wir sind nirgendwo in der musikalischen Welt verortet, sondern machen einfach Musik. Am einen Tag fühlen wir uns der Jazzwelt verbunden, am nächsten sind wir eine Rockband, dann wieder eine Ambient-Combo. Ich mag das, denn es befreit." Außerdem weist es in eine Zukunft, die Entdeckungen verheißt. Hang sei Dank!