treibhaus

Kulturprogramm für Stadtbenützer

Spielplatz am Volksgarten. Angerzellgasse 8, 6020 Innsbruck. Geöffnet täglich von 10 bis 1

EINLASS INS TREIBHAUS - ES GILT GILT WEITERHIN: GE-IMPFT # GE-TESTET # GE-NESEN

für den Besuch des Treibhauses, ob Konzert oder nur Cafe, gilt nach wie vor die 3G Regel geimpft getestet genesen. es muß kein PCR-Test sein. Wir kontrollieren - aber diskutieren die Regeln NICHT. Bewährt hat sich auch: ge-duscht, ge-föhnt & ge-kampelt zu erscheinen. 1Tip: vor dem Essen Hände waschen nicht vergessen...

DOBREK BRASIL

Krzysztof Dobrek und Alegre Correa

Krzysztof Dobrek goes Brazil. Dass der umtriebige Leader von Dobrek Bistro nicht weit gehen braucht, verdankt sich Alegre Corrêa.  Es war ja nur eine Frage der Zeit, dass sich der eingefleischte Bossa-Fan Dobrek und der experimentierfreudige Zauberer Corrêa, diesjähriger Gewinner des begehrten Hans-Koller-Jazzpreises und seit Sommer stolzer Träger des Kulturehrenzeichens seiner Heimatregion Rio Grande do Sul, zu einem gemeinsamen Projekt zusammenfinden.
Noch dazu sind sie beide von den LeserInnen des Magazins "Concerto" zu den besten heimischen Musikern des Jahres 2003 ausgezeichnet worden, Krzysztof in der Sparte "bester World/Folk-Künstler", Alegre als "bester String&Song-Künstler".
Slawische Schwermut & brasilianische Leichtigkeit? Ja ja, wir wissen schon, Klischees sind hartnäckig. Dass die slawische Melancholie aber unablässig Freudensprünge macht (besonders bei Krzysztof) und zart-bittere Tristesse die brasilianische Beschwingtheit ganz schön runterholen kann (gerade bei Alegre), ist die denkbar beste Voraussetzung dafür, dass wir die beiden Spitzenmusiker da über uns in frei schwebender Harmonie werden bestaunen können.

Krzysztof Dobrek: Tastenakkordeon
Alegre Corrêa: Gitarre, Gesang
Denise Fontoura: Querflöte, Gesang
Ronaldo Saggiorato: Bass
Endrigo Bettega: Drums








Eine Quetsch'n voller Straßenmusik
Der polnische Akkordeonist Krzysztof Dobrek, einer der wichtigsten Musiker der heimischen Weltmusik- Szene, im Porträt


Von
Ljubisa Tosic


Dass es ihn einst nach Wien verschlug, hat er seiner Abneigung gegen den Militärdienst zu verdanken. Mittlerweile ist der polnische Akkordeonist Krzysztof Dobrek einer der wichtigsten Musiker der heimischen "Weltmusikszene".

Wien – Klar, vorbei die Zeiten, da die Leute beim Namen Dobrek Bistro interessiert fragten, wo die Adresse dieses Lokals sei. Mittlerweile kennt man das Quartett um Akkordeonist Krzysztof Dobrek gut. Immerhin kommt es auf über 50 Konzerte pro Jahr. Und von seiner Debüt-CD (Extraplatte), die den virtuos zelebrierten Eklektizismus zwischen Latin, Tango und slawisch tänzelnder Melancholie in Liveatmosphäre präsentiert, wurden hierzulande immerhin in kurzer Zeit 5000 Stück verkauft.

Doch gut möglich, dass man den Mann und seine Musik schon viel länger kennt, ohne es zu wissen; gut möglich, dass man ihn für seine Dienste sogar im Vorbeigehen bezahlt hat. Es kann in Baden gewesen sein, wo er auf der Straße Operettenmelodien darbot. Oder auf der Wiener Kärntner Straße, wo er merkte, dass Gershwin japanische Gästen besonders spendabel machte. Das ist zwar länger her. Aber es ist nicht zu spät, dem polnischen Bundesheer dafür zu danken, dass es Dobrek zu einer Reise nach Wien animierte...

"Ich glaube, es war der 3. September 1990, da hörte ich, dass in Österreich bald die Visumpflicht für Polen eingeführt werden sollte. Gleichzeitig habe ich gespürt: Sie würde kommen, um mich zu holen! Das Heer hätte zwei Jahre meines Lebens verlangt. Ich war 23 und zu alt für so etwas. Ich beriet mich mit meiner Frau, dann haute ich ab. Ich hatte 200 Schilling und mein Akkordeon. Ich wusste nur, in Wien, da gibt es eine Straße der Musikanten. Um sie zu finden, kaufte ich mir um 25 Schilling einen Stadtplan."

Dobrek hatte Recht mit seinem Gefühl. Am 15. September kamen sie, um ihn zu holen. Nur, leider... Dass Zeit blieb, die Freiheit zu feiern, lässt sich nicht sagen. Er schläft bei Bekannten am Boden, und der erste Eindruck von der Kärntner Straße war doch ernüchternd: "Ich dachte, das wird schwierig. Jetzt ist die Straße eher tot. Damals gab es zwölf Kapellen, eine besser als die andere. Ich alleine mit der Quetsch'n? Ziemlich aussichtslos, wenn rechts neben dir sechs Peruaner singen und links von dir ein Streichquartett spielt!"

Lange Pause

Außerdem war das jene Zeit, als er eine achtjährige Akkordeonabstinenz zu beenden hatte – Dobrek hatte in Krakau Fagott studiert, ihn dürstete es nach Krawatte und Hochkultur. Doch irgendwie ging es, seine Frau kam nach, spielte mit ihm. Im Sommer Gitarre und im Winter Perkussion. Irgendwann konnte er sich sogar ein Bett und später ein WG-Zimmer leisten ("Ich wurde Kapitalist").

Dass er schließlich sein Visum verlor, weil er eine neu eingeführte Dreiwochenfrist versäumte, war zwar bedauerlich: "Gab es mich halt für Jahre nicht mehr. Dann habe ich angefangen, an der Musikhochschule zu studieren und bekam wieder ein Visum. Drei Semester lang war ich sehr fleißig." Langsam muss es sich schließlich herumgesprochen haben, dass hier ein versierter Musiker zugegen war. Zuerst landet er bei der Folk/Kabarettband Die Landstreichsic. Es folgten Projekte im Theater an der Wien, im Theater in der Josefstadt und im Burgtheater. Dobrek schaut auch bei der Tschuschenkapelle vorbei und wurde Akkordeonist von Maria Bill.

Einiges davon ist noch aktuell. Deshalb hat man wohl das Gefühl, dass Dobrek immer und überall ist. Bald wird sich zu Dobrek Bistro, beim kommenden Akkordeonfestival, das Projekt Dobrek Brasil hinzugesellen – "Ich mit vier Brasilianern, schau ma mal!".

Wohin er auch reist ("Sehr gutes Konzert in Ostfriesland!"), er wird in Wien bleiben. Auch spätere Konzertbesuche in Polen ("Man kann dort bis zum 28. Lebensjahr eingezogen werden!") konnten daran nichts ändern. Das belegt die Geschichte der Volksmusik in Polen:

"Alles, was mit ihr zu tun hatte, war verpönt, weil sie vom Kommunismus gefördert wurde. Wer das spielte, der, so meinte man, habe kollaboriert. Erst als 1993 Goran Bregovi´c einen Boom auslöste, kamen die Bands – wie Pilze nach dem Regen. Jazz war immer en vogue, das war die Sprache der Freiheit, und die Polen waren immer amerikafanatisch. Die Hierarchie war immer so: Kommunismus, Hölle, Himmel und drüber Amerika."

Sein Interesse an Folklore stammt allerdings doch aus der polnischen Zeit. "Ich hörte da immer einen jungen Roma auf der Straße – der konnte spielen, bist du deppert!". (DER STANDARD, Printausgabe, 4.2.2004)