treibhaus

Kulturprogramm für Stadtbenützer

Spielplatz am Volksgarten. Angerzellgasse 8, 6020 Innsbruck. Geöffnet täglich von 10 bis 1

JENSEITS VOM CHRISTKINDLMARKT // DER neue TREIBHAUS-PASS // & MORE.

Den Treibhaus-Konzert-Paß (gilt bis 30.6.'20) oder Eintrittskarten als erlesene Genschenks-Papiere: das Winter & Frühjahr bereits im Vorverkauf. Von Rebekka Bakken bis John Scofield bis Lola Marsh, von Mascheks Jahresrückblick bis Manuel Rubey. Den Paß gibts endlich online - mit dem Link d(r)oben im Menu!

TITO & TARANTULA

Die Spezialisten für RoadMovies: südstaatenrock mit der feurigen prise mexico: seit Tarantino Kult

Wer Tito & Tarantula kennt, hat sie wahrscheinlich zum ersten Mal in "From Dusk Til Dawn" erlebt: Dort spielen Sie in einer Bar namens Titty Twister, verwandeln sich in Vampire und sind die Einzigen Nicht-Menschen, die das Schlachtfest von George Clooney und Abenteuergefährten überleben.
Der Auftritt im Film und der dazugehörige Soundtrack bescheren der Band Kultstatus. Im Gegensatz zu den Leningrad Cowboys, die von der Leinwand auf die Bühne stiefelten, können Tito & Tarantula aber auf einen soliden musikalischen Hintergrund verweisen.
Es sind jedoch vor allem ihre Liveauftritte, die für Begeisterung sorgen: schweißtreibend, energiegeladen und gut gelaunt präsentieren sie ihr Material vor ausnahmslos ausverkauften Veranstaltungsorten.

Tito Larriva ist ein Mann, der viele Freunde hat. Kein geringerer als Bob Dylan hatte schon seine Los-Angeles-Punk-Band Plugz ins Herz geschlossen, deren erstes Album 1979 erschien. Als nächster Freund tauchte der Filmregisseur Alex Cox auf, der ihm in seinem Kult-Klassiker Repo Man sogar eine Rolle als Schauspieler gab. Seither war Tito auf dem Film-Trip. Er komponierte Film-Musik und freundete sich mit dem blutjungen, aber hoch begabten Robert Rodriguez an, der ihn und seine neue Band Tito and Tarantula in den Welthit From Dusk Till Dawn einbaute. Tarantism ist ganz eindeutig das Album zum Film. Durchgängig hält es die vampirisch-düstere Tex-Mex-Rock-Stimmung durch, das finstere Quintett überzeugt nicht nur untote Rockisten. Bassistin Jennifer Condos, Geigerin Lyn Bertles und vor allem Lead-Gitarrist Peter Atanasoff sorgen für unsterbliche Riffs und gepflegtes Gruseln bei zahlreichen Würmern in zahlreichen Tequila-Gläsern in noch zahlreicheren Bars mit dem schönen Namen Titty Twister, in denen Freitag Nacht nur eine einzige Platte aufgelegt wird. Von Sonnenunter- bis Sonnenaufgang. Comprende, Gringo!


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Wer Tito & Tarantula kennt, hat sie wahrscheinlich zum ersten Mal in "From Dusk Til Dawn" erlebt: Dort spielen Sie in einer Bar namens Titty Twister, verwandeln sich in Vampire und sind die Einzigen Nicht-Menschen, die das Schlachtfest von George Clooney und Abenteuergefährten überleben.
Der Auftritt im Film und der dazugehörige Soundtrack bescheren der Band Kultstatus. Im Gegensatz zu den Leningrad Cowboys, die von der Leinwand auf die Bühne stiefelten, können Tito & Tarantula aber auf einen soliden musikalischen Hintergrund verweisen. Als sie sich 1992 als Spaßprojekt gründen, haben Frontmann Tito Larriva, Gitarrist Peter Atanasoff und Schlagzeuger Johnny "Vatos" Hernades in einer Vielzahl von Bands gespielt und kennen sich bereits seit den 70er Jahren. Mit bodenständigem Südstaatenrock und einer Prise Mexico treten sie in kleineren Clubs im heimischen LA auf und stoßen Mitte der 90er Jahre auf die begeisterten Ohren des Regisseurs Robert Rodriguez.
Neu im Filmbusiness ist zumindest Larriva auch nicht. Auf den Auftritt in "From Dusk Til Dawn" folgt für ihn eine Rolle in "Desperado," wo er Quentin Tarantino in einer Absteige erschießt. Schon zuvor hatte er in David Byrnes "True Stories" gespielt, dazu ist er ein gefragter Soundtrack-Komponist, zuletzt für "Der Schrei Der Schmetterlinge" und Wim Wenders "Million Dollar Hotel."
& Oliver Stone „U-Turn“

Auf das Debutalbum "Tarantism" (1997) lassen Tito & Tarantula in regelmäßigen Abstand neue Alben folgen. Es sind jedoch vor allem ihre Liveauftritte, die für Begeisterung sorgen: schweißtreibend, energiegeladen und gut gelaunt präsentieren sie ihr Material vor ausnahmslos ausverkauften Veranstaltungsorten.



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Tito & Tarantula – Back Into The Darkness

Wer über Musik spricht, sucht meistens nach dem großen Ding, dem Sechser im Lotto, der ultimativen Innovation. Weil er Journalist ist und dringend eine Geschichte benötigt, die sein Magazin nach vorne bringt. Oder weil er Revolutionär ist, der immer noch an den Umsturz glaubt und eine Band sucht, die eine Utopie nach vorne bringt. So verschieden das klingt – beide machen sich verrückt, setzen sich und andere unter Druck und sind so unentspannt wie ein Spekulant kurz vor Börsenschluss.

Tito ist anders. Tito ist entspannt. Der gebürtige Mexikaner kam in den 70ern nach Los Angeles. Ein Glücksritter mit Kindheit in Alaska, Schulzeit in El Paso und gleich drei künstlerischen Blutgruppen in seinen Adern – Schauspielerei, Filmkomposition, Rock’n’Roll. In allen dreien fasste er tatsächlich Fuß und schaut man sich sein Leben an, gebührt ihm der Oscar für die beste Nebenrolle in all diesen Disziplinen. Schließlich heißt „Nebenrolle“ im Amerikanischen „supporting role“ und dieser Begriff passt sehr gut auf das Schaffen des lässigen Könners. In vielem, was wir kennen und lieben, hatte er seine Finger drin. Auf vieles, das wir als bedeutsam schätzen, hatte er entscheidenden Einfluss. Als Punkrock Ende der 70er in L.A. dreckig, drängend und aufregend war, steckte er mit Bands wie The Impalas, The Flesh-Eaters und The Plugz mittendrin. Er nahm mit The Gun Club auf, wechselte mit The Cruzados zum Blues und eröffnete für Fleetwood Mac. In „True Stories“ von David Byrne spielte er einen Psychopathen, dessen Lieblingssong „Radiohead“ sich Jahre später Thom Yorke & Co als ihren Bandnamen aussuchten. „Desperado“, „Es war einmal in Mexiko“ und „From Dusk Till Dawn“ von Robert Rodriguez bescherten ihm seine bekanntesten Rollen; letzterer als berühmtes Sprungbrett für Tito & Tarantula, deren Debüt „Tarantism“ ein Jahr nach ihrem Auftritt als Hausband des Titty Twister erschien. In Wirklichkeit entstanden sie fünf Jahre zuvor in ganz ähnlichem Umfeld, als improvisierende Session-Band, offen für jeden Mariachi, der nachts um drei noch die Bar betrat.

Ganz ehrlich – geht es cooler?
Eine Frage, die man sich auch beim Hören von „Back into the darkness“ stellt, Titos fünftem Album mit seiner stetig veränderten Tarantula, die zurzeit im Kern aus Lucy La Loca (Bass), Rafael Gayol (Drums) und Steven Hufsteter an der zweiten Gitarre besteht. Eine Platte, so staubtrocken und unprätentiös wie Tito selbst, der mit lässigem Humor seinen Weg geht und ganz genau weiß, dass er niemals danebengreift. Lieder, die den Geist seiner alten Punkzeiten mit den improvisierten Nächten der Bars und einer neuen Selbstsicherheit paaren, die häufig an die ganz großen Routiniers erinnert. So klingt „Monsters“, als habe sich Josh Homme mit Mark Knopfler in einer Garage getroffen, um einem Dire-Straits-Song die Klamotten vom Leib zu reißen und Schürfwunden zu verpassen. Bei „Not Enough“ leidet er so intensiv wie weiland Joe Cocker zu Woodstock-Zeiten, als ihm der Schlamm der ersten Reihen an die Hose spritzte. Demgegenüber scheppern „Darkness“ oder „If You Love Me“ wie Old-School-Punk, gönnt sich „Come Out Clean” Orgel, Wahwah und Gitarrensolo, zupft und pfeift sich „Machete“ wieder in den Titty Twister zurück und trommelt sich „In My Car“ fast tribalistisch in Trance.

Dieses Album kann alles, belässt es aber so karg, so spröde und so songdienlich wie möglich. Es ist die Musik gewordene „supporting role“ für guten Geschmack. Es stellt sich nicht mit glamouröser heißer Luft ins Rampenlicht, sondern fühlt sich so wohl in der dunklen Ecke hinter dem Vorhang, dass für alle echten Musikliebhaber, die sich nicht blenden lassen, klar sein sollte: „ Back into the darkness“ wird 2008 im Rock eine Hauptrolle spielen!