treibhaus

Kulturprogramm für Stadtbenützer

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hader on ice war in drei stund ausverkauft. für hader/dorfer: indien am 17. gibts noch karten, für dorfer am 16.12. noch ein paar. maschek's jahresrückblick & manuel rubey gibts ab jetzt. lachen ist der hoffnung letzte waffe.

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HAUSCHKA

Ich mag Musik, die man hören kann. Hauschkas Klaviermusik auf präpariertem Klavier ist wunderschon. und tänzelt fröhlich  irgendwo zwischen Pop, Techno und Avantgarde.

"Experimental Pianomusic" nennt er seine Kunst. Klingt nach verkopfter Avantgarde und Ohrensausen. Umso größer ist die Freude beim ersten Durchlauf der neuen Platte von Volker Bertelmann, wie Hauschka mit bürgerlichem Namen heißt.
Zehn Jahre klassisches Klavierstudium haben sich ausgezahlt. Das Piano oszilliert zwischen getupften Tönen, die wie Tropfen ins Ohr fallen, und heftigeren, teils stakkatohaften Sequenzen.
Unterstützt wird der Düsseldorfer Komponist auf seiner vierten Platte von einem Streicherduo. Zarte elektronische Einsprengsel, ein wenig Notwist-Gefrickel hier, ein Hauch Yann Tiersen da. Von konventionellen Pop-Entwürfen ist Hauschka, der unter anderem mit Stefan Schneider (To Rococo Rot) bei Music A.M. musiziert, weit entfernt. Einige der Stücke sind gar reine Improvisation - John Cage lässt grüßen.

Hauschka, ist das nicht der Typ, der einen halben Bürowarenladen in den Konzertflügel kippt und dann sowas wie Ambienttechno drauf spielt? Ganz genau. Sein Album The Prepared Piano machte ihn 2005 einem Publikum bekannt, das genauso wenig wie er selbst ahnte, welches Erbe da mitschwang: Als die klassische Komposition alle 88 Töne des Klaviers von allen Saiten erkundet hatte, begann John Cage 1940, das Instrument selbst neu zu komponieren. Mit Radiergummis, Papierstreifen oder Filz veränderte er den Klang des Stahls und brachte der Musik neues Material, mit dem man im wahrsten Sinne spielen konnte.

Als Volker Bertelmann alias Hauschka auf dieselbe Idee kam, wusste er nichts von seinem Vorgänger. Was seine Kunst aber nicht schmälert, zumal er sie in einem ganz anderen Kontext ansiedelt als Cage. Hauschka tänzelt ganz bewusst zwischen Pop, Techno und Avantgarde, ohne sich für das eine oder andere zu entscheiden.

Sein neues Album Abandoned City erzählt nun die musikalischen Geschichten von neun Geisterstädten. Orte, die von Menschen verlassen wurden, deren Leben einst hier stattfand und nun ein anderes Zentrum gefunden hat. Wie Thames Town in China, Elizabeth Bay in Namibia oder Craco in Italien. Die Hallräume zwischen Klavier und Percussion, kaltem Metall und warmem organischen Material schaffen ein abstraktes Abbild dieser Städte.

Und Hauschkas Arbeiten werfen immer wieder die Frage auf, wann Musik Kunst ist. Verleiht ihr das Wissen um die Entstehungsbedingungen eine höhere Qualität? Schreiben sich die Bemühungen des Klavierpräparators in die Musik mit ein oder müssen wir das Klangerlebnis unabhängig von seiner Erzeugung bewerten?


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Weltweit sollen etwa 2500 Geisterstädte existieren. Eine Auflistung dieser Ghost Towns, die in vielen Fällen zu Touristenattraktionen oder sogar Lokalitäten religiöser Anbetung geworden sind, finden wir - natürlich - bei Wikipedia. Orte einer gewaltigen Räumung, die von einem Super-GAU (Tschernobyl, Pripyat) oder einer Nuklearkastastrophe (Fukushima) erzählen, Todeszonen mit Erinnerungen an Gewalt und Krieg (Ciudad Mier, Agdam). Ansiedlungen, die dem Kater nach einem Vollrausch anheimgefallen sind (die Goldgräber-Citys in der kalifornischen Sierra Nevada) oder Ausgeburten bizarrer Planungen wie Thames Town nahe Shanghai in China, die Eins-zu-Eins-Nachbildung eines englischen Landstädtchens, in das niemand eingezogen ist – eine surreale Fototapete mit Motiven einer vielleicht beschaulicheren Welt. Es sind die Bilder und Geschichten zu den menschenleeren Urbanisationen, in denen der Düsseldorfer Pianist Volker Bertelmann Stimmungen entdeckt hat, die er aus dem Prozess konzentrierten kreativen Schaffens kennt. „Schönheit, Vergänglichkeit, Melancholie und Absurdität – in den verlassenen, von der Natur schon wieder übernommenen Orten finde ich eine Metapher für das, was in mir passiert.“

„Abandoned City“, die erste Veröffentlichung Hauschkas für City Slang, ist nun beileibe kein Konzeptalbum mit Anspruch auf eine dem Thema verpflichtete Dramaturgie geworden, erst Recht keine Hinwendung zu Naturmystik oder Weltuntergangs-Dark-Wave. Aus der Dunkelheit treten die neuen Tracks von Hauschka diesmal dennoch hervor, als spräche das Piano mit belegter Stimme, es hängt so entschieden im Delay. Bertelmann goes psychedelic. „In den neuen Stücken ist auch mehr klassische Bewegung drin“, sagt Hauschka. Das sind dann die Akkordfolgen, die einem klassischen Klavierkonzert entnommen sein könnten oder eine Stelle, an der sein Instrument wie eine Solo-Orgel klingt, die leise im Hintergrund zu hören ist, wie das Echo einer lauteren Musik. „Solche Passagen hatte ich in früheren Stücken nicht, die waren auf einen Beat reduziert.“

Eine Bassdrum aus der Maschine und ein Sub-Bass, mehr hat Volker Bertelmann seinem präparierten Piano auf diesem Album gar nicht hinzugefügt. Aber das Instrument wird in der Interpretation von Hauschka ja auch regelmäßig zur Wundertüte. Und diese füllt sich mit jeder Tournee neu, etwa wenn Fans und Freunde ihm Geschenke machen, so nach dem Motto: Probier' das doch mal aus in deinem Piano! So lebt die Musik auch in der Interaktion mit dem Publikum, diesmal hat Bertelmann sein Piano mit dem Becken eines Kinderschlagzeugs präpariert, das ihm jemand in einer Tüte nach dem Konzert zusteckte. Dazu die üblichen Verdächtigen: Klavierstimmer, Holzstäbe, Filzkeile, verschiedene Tape-Sorten.

Acht der neun Stücke tragen Namen von Ghost Towns im Titel, besucht hat Hauschka keinen dieser Flecken des Verfalls. Um Authentizität in einem dokumentarischen Sinne ist der Künstler auch gar nicht bemüht. „Die Orte könnten auch erfunden sein, es geht um die Phantasien, die mit ihnen verbunden sind. Und die Frage: Empfinden andere ähnlich wie ich? Mir war daran gelegen, Assoziationsketten zu schaffen, die nicht zu sehr ausformuliert sind.“ Anders gesagt: Hauschka sucht Kontakt zu jenen Geistern, die ruhelos an der Oberfläche kratzen, um auf das aufmerksam zu machen, was im Bodensatz dieser Geschichten versteckt ist.

Man konnte das fortgeschrittene Spiel mit Citynamedropping zuletzt zweimal auf herausragenden deutschen Produktionen entdecken: im verwunschenen Erdmöbel-Song „Cardiff“ und den Minimalismen, die Michaela Melián auf ihrem mysteriös mäandernden Soundtrack „Monaco“ entwickelt. Bei Hauschka verbinden sich die klangvollen Namen (Elizabeth Bay, Pripyat, Barkersville, Stromness) mit vielfältigen klangvollen Linien, die keinem erklärten Ziel zustreben. Wir spielen Hauschka im Kopf, und auf wievielen Umdrehungen und mit welchen Erinnerungen und Gedankenströmen das passiert, entscheidet sich von Mal zu Mal neu.

Volker Bertelmann hat ein Faible für solch' offene Verortungen, „Abandoned City“ steht hörbar auch in der Tradition früherer Hauschka-Platten. Auf „Ferndorf“ (2008) suchte er Frieden mit Herkunft und Heimat im Siegerland, in den repetitiven Harmonien und dahingetupften Rhythmen spiegelten sich die durchaus romantischen Erinnerungen an die Kindheit. Für „Foreign Landscapes“ zwei Jahre später engagierte er das Magik Magik Orchestra und arrangierte seine Stücke um einen kammermusikalischen Korpus mit Streichern, Posaunen und Klarinetten. Sein präpariertes Piano wurde zum Ankerpunkt zahlreicher Exkursionen auf musikalische Felder, deren Boden schwierig zu bestellen war, in der Sprache Hauschkas verwandelten sie sich in etwas Leichtes und Spielerisches. Der Pianist nahm uns an die Hand, zum Tanz in der Klanglandschaft - Freestyle, versteht sich.

Die perkussiven, raschelnden Klänge des präparierten Instruments sind nie Effekt, sie werden auch auf „Abandoned City“ Teil eines größeren Plans, der in den Resonanzräumen Gestalt annimmt, sie funktionieren lautmalend, anrührend, auch irritierend. Sie sind schwelgerisch, aber nie prätentiös. Das ist Hauschkas Absicht. Und doch klingt die Musik dann wieder, als gäbe sie sich dem Lauf der Dinge hin, in den verlassenen Arealen dieser Kunst scheint das Laub ganz nach Laune des Windes hin- und herzuwehen, es nimmt die Melodie mit, gibt sie plötzlich ab und sucht eine neue. Der Pianist schaut ihr dabei mit großen Augen zu.