treibhaus

Kulturprogramm für Stadtbenützer

Spielplatz am Volksgarten. Angerzellgasse 8, 6020 Innsbruck. Geöffnet täglich von 10 bis 1

TREIBHAUS SPENDENKONTO * IBAN: AT 752050303352791960 * SOMMERSPIELE '21

es ist was es ist und wie es ist - bleibt uns bitte gewogen: stärkt eure immunkräfte und impft das treibhaus mit eurer solidarität. damits nach dem verordneten winterschlaf kein koma sondern ein frohes aufwachen gibt.

HOSEA RATSCHILLER

Unterhaltung mit Haltung" wollte er sein neues Programm nennen, sagt Hosea Ratschiller. Aber sein Orthopäde habe ihm davon abgeraten. Denn Ratschiller - im Zivilberuf FM4 Ombudsamann - ist jetzt verheiratet, Vater einer Tochter neuerdings, und mit seinen 33 Jahren generell nicht mehr der Jüngste. Sprich: Er hat Rückenprobleme. Die Verantwortung, jetzt ein Kind bespaßen zu müssen lastet offenbar schwer auf dem Jungpapa: "Wenn man sich ein Scheitern am Alltag nicht mehr leisten kann, ist man dann noch ein kultiger Kabarettist?", fragt sich Ratschiller.
Soviel zur Ausgangslage. Aber die Sorge ist unbegründet. Hosea Ratschiller wandelt wunderbar zwischen Bobo und Baby, Anspruch und Ansprüchen: Nach der Beschwerde kommt verlässlich die Pointe.

 

THOMAS MAURER - Laudatio auf Hosea Ratschiller zur Überreichung des  Österr. Kabarett- und Kleinkunstpreis 2012

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"Der allerletzte Tag der Menschheit." (Jetzt ist wirklich Schluss!)

Feierliche Gala zu Ehren der hervorragenden Gegenwart
In ca. 43 Rollen: Hosea Ratschiller; Musik: RaDeschnig

Ein glühend heißer Sommertag des Jahres 2015 in Österreich. Das Ende ist nah.
Aber man gewöhnt sich an alles. Obdachlose und Oligarchen, Minister und Masseurinnen, Publikumslieblinge und Professoren, Bauern, Knechte, Krocha, Geistliche, Talente, Kebabstandler - sie alle leben auch diesen Tag wieder so, als wäre es ihr letzter. Bis die Gratiszeitung titelt: „KOMMT JETZT DER WELTKRIEG!?“.
Und das ist dann doch allerhand.

Eine lustvolle satirische Revue zum Zustand des Wesens "Österreich" mit höllischem Humor und himmlischen Gesängen.
"Schau dir des an: Die neuen Tablets kamma jetzt falten und rollen. Fehlt nur mehr Leberkäs einwickeln und arschwischen, dann kömma zusperren!"  (Claus P., leitender Redakteur)
"Ach Österreich, herrlich! Direkt schade, dass es heute so vollkommen bedeutungslos ist."  (Ernest Rotkopf, Waffenhändler)
"Entschuldigung! Ich nur gedacht, Herr Minister wollen schießen unten. .."  (Fan W., Masseurin)
"Jojo, in letzter Zeit waren wieder mehr Politische da... Viecher oder Asylanten?"  (Merlin, Langzeit-Häftling)
"Ja. Mhm. Natürlich. Ja. 15 Minuten. Ja. Aha. Äh, ja. Jaja. Ist mir klar. Ja. Es ist für mich auch nicht leicht. Na gut. Ja. Nein, auf keinen Fall. Ja? Aha. Na gut, Spaghetti Carbonara."  (Werner F., Bundeskanzler)

 

Doppelleben

Ein Häppchen Kultur aus dem Spielautomaten


Hosea Ratschiller erhöht den Einsatz. Ein allerletztes Soloprogramm noch – und dann ab ins Paradies. Keine halben Sachen mehr. Jede Pointe eine befreiende Ermutigung, jede Geschichte ein Anfang vom Ende der Ungerechtigkeit, jede Vorstellung ausverkauft. Das ist der Plan.
Zuerst spielt Ihnen Hosea Ratschiller etwas vor. Den Comedian, den Vater, den Manager, den Gangster und noch einige mehr. Warum er das tut und was sein neuer Kollege - der publikumsscheue Akrobat - währenddessen treibt, das erfahren Sie erst in der Vorstellung. Das ist der Trick.  Aber wird der Plan aufgehen?! Müssen wir nicht schon von einem Erfolg sprechen, wenn Arbeit überhaupt bezahlt wird? Nein, müssen wir nicht. Wir müssen viel weniger, als wir glauben. Und wir können viel mehr, als wir wissen. Das ist das Glück.
Kommen Sie bitte vorbei. Sonst kann man schlecht von einem gelungenen Theaterabend sprechen.

Nostalgie sei "Gift fürs Denken", kritisiert er. Verträglich nur in kleinen Dosen. Aber Impfgegner, sagt Ratschiller, ist er keiner. Er gehe sogar ab und zu in die Kirche, lieber als in den nächsten Starbucks. Natürlich "nur, wenn es ordentlich hagelt, und weil in der Kirche kein Konsumationszwang ist." Kabarett ohne Atempause. Erst nach der Pause holt Ratschiller etwas Luft, nimmt sich mehr Zeit für seine Figuren. Ein Highlight: Die Impression des Aufsichtratsvorsitzenden eines "namhaften österreichischen Glücksspielkonzerns", der sich aus Gewissensbissen in eine Selbsthilfegruppe begibt.
Den wahren Grund für die Rückenschmerzen hat man am Ende längst erahnt: Für sein neues Programm hat sich Ratschiller ganz schön verbogen. Sogar der Frage, ob katholische Priester heiraten dürfen sollen, hat er sich gewidmet. "Ja warum denn nicht, wenn sie sich mögen?" Dabei hätte er seiner Frau eigentlich noch versprochen, keine billigen Witze auf Kosten der katholischen Kirche zu machen. Er hat es trotzdem getan. Gott sei Dank

Regie: Gabi Rothmüller