treibhaus

Kulturprogramm für Stadtbenützer

Spielplatz am Volksgarten. Angerzellgasse 8, 6020 Innsbruck. Geöffnet täglich von 10 bis 1

DAS TREIBHAUS HAT OFFEN. AB 16UHR I ZU GAST - GINA DUENAS & Los del Barrio

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TARKOVSKY QUARTET

Das französisch-deutsche Quartett aus dem Hause ECM wurde 2006 vom Pianisten und Komponisten François Couturier zu Ehren des russischen Regisseurs Andrej Tarkovsky gegründet. Seither hat das Ensemble eine ganz eigene musikalische Sprache entwickelt, in der sich "klassische Strenge mit formaler und freier Improvisation vereint. Was dabei entsteht, ist von schlichter Schönheit, voll dunkler Schattierungen und zeugt von einer unstillbaren Sehnsucht nach den tieferen Quellen des Geistes" (Times). Auf drei ECM-Cds ist die Musik (produziert von Manfred Eicher) grandios aufgezeichnet. 
François Couturier hat wieder neue Musik geschrieben. Wieder wunderschöne. Diesmal bezieht er sich nicht nur auf die Filmwelt von Tarkovsky, sondern auch auf die von Kurosawa, Visconti, Bergman. Diesmal geht es um das “Traumhafte” in Filmen. Im Treibhaus wird das Quartett die neue Musik  proben, urauufführen um sie dann (wieder mit Manfred Eicher  für ECM) aufzunehmen.

Andrei Tarkovsky starb im Dezember 1986. Seine Kunst lebt weiter, in seinen Filmen und in der Musik von François Couturier's Tarkovsky Quartet. 
Lineup: François Couturier (p, comp), Jean-Marc Larché (ss), Anja Lechner (vc), Jean-Louis Matinier (acc)

Mit dem sowjetischen Kunstbegriff konnte Andrei Tarkovsky nichts anfangen. Bilder als Mittel der Propaganda langen ihm fern, viel zu eindeutig war deren Zeichensystem auf die Manipulation und nicht die Offenheit des Denkens ausgerichtet. Das machte es für den sowjetischen Filmregisseur nicht leicht, in seiner Heimat zu arbeiten. Eine Zeitlang versuchte er, der Lenkung durch geschickte Auswahl der Stoffe wie Stanislaw Lems Science-Fiction-Parabel 'Solaris' zu entgehen oder seine Bildsprache derart zu verschlüsseln, dass sie die Zensoren überforderte. 1983 jedoch verließ er die Sowjetunion, um in Italien 'Nostalghia' zu drehen. Andrei Tarkovsky kehrte im Anschluss daran nicht mehr in seine Heimat zurück. Vom Krebsleiden gezeichnet verwirklichte er den Epilog seiner Filmvisionen 'Opfer' 1985 in Schweden und starb schließlich im folgenden Winter. Er hinterließ eine gute Handvoll Spielfilme, mehrere Kurz- und Dokumentarfilme, ein schmales Oeuvre, das aber großen Eindruck auf die internationale Kunstwelt machte.

Auch François Couturier gehört zu den Bewunderern der Gestaltungsmacht von Andrei Tarkovsky. Mit den ECM-Alben 'Nostalghia ' Song For Tarkovsky' (2006) und 'Un jour si blanc' (2010) schuf er gemeinsam mit dem Produzenten Manfred Eicher die ersten beiden Folgen einer Trilogie zu Ehren des Regisseurs, die er nun mit dem 'Tarkovsky Quartet' abschließt. So wie für den Bildvisionär Musik etwa von Johann Sebastian Bach eine wichtige Rolle in den Filmen spielte, so integriert nun auch der Pianist aus Orléans in einigen seiner Stücke klassische Vorlagen in seine Kompositionen. 'A celui qui a vu l'ange' wurde von"Qui est homo" aus Pergolesis "Stabat mater" inspiriert, 'Maroussia' von Johann Sebastian Bachs 'Das alte Jahr vergangen ist'. 'La passion selon Andrej' integriert Verweise auf "Herr, unser Herrscher' aus der 'Johannespassion' und 'Doktor Faustus' hat Bezüge zu Dmitri Shostakovitchs 'Sonata for violoncello and piano, op. 40'. An François Couturiers Seite spielen die Cellistin Anja Lechner, der Akkordeonist Jean-Louis Matinier und der Sopransaxofonist Jean-Marc Larché. Gemeinsam gestalten sie Hörräume von melancholischer, melodischer Kraft, die auf eigene Weise da anknüpfen, wo die Bilder einst aufgehört haben. (klassikakzente. de)

Der russische Filmemacher Andrei Tarkovsky, der 1986 im Alter von 54 Jahren an Krebs gestorben ist, hat zwar „nur“ ein Dutzend Spielfilme bzw. Kurz- und Dokumentarfilme hinterlassen, übt aber mit seiner idealistischen Kunstauffassung bis zum heutigen Tag eine nachhaltige Wirkung auf alle Bereiche der zeitgenössischen Kunst aus. Dies lässt sich wohl in besonderem Maße vom französischen Pianisten François Couturier behaupten, der soeben einen Zyklus mit drei dem Regisseur gewidmeten Alben abgeschlossen hat. 

Während er letztes Jahr „Un jour si blanc“  solo eingespielt hat, greift er nun auf sein großartiges Quartett mit der Cellistin Anja Lechner, dem Akkordeonisten Jean-Louis Matinier und Jean-Marc Larché am Sopransaxophon zurück, mit dem er 2006 schon das großartige Album „Nostalghia – Song For Tarkovsky“ veröffentlicht hatte und das künftig unter dem Namen „Tarkovsky Quartet“ firmieren wird. Mit neun Eigenkompositionen von François Couturier und drei Gruppenimprovisationen wird der Hörer in eine wunderschöne Welt meist melancholisch gefärbter Bilder entführt, die dem konzentrierten Connaisseur bei jedem Hören neue Fassetten eröffnen. Alle Titel beziehen sich irgendwie auf das Werk oder die Biographie Andrei Tarkovskys, was seinen Fans als kurzweiliges Ratespiel dienen mag. Couturier ließ sich bei einigen seiner Stücke aber auch von Bach, Pergolesi oder Schostakowitsch inspirieren, und es wird deutlich, dass ihn sein Angesiedelt-Sein in Jazz, Klassik, Weltmusik und vor allem auch in der zeitgenössischen Kammermusik zu großartigen, alle Genregrenzen sprengenden Projekten befähigt. Ein leises, stimmungsvolles, manchmal irgendwie hypnotisch und fast auch schon ein bisschen mysteriös wirkendes Album, das sich so richtig schön dazu eignet, beim Zuhören in eine ganz andere Welt abzudriften.