treibhaus

Kulturprogramm für Stadtbenützer

Spielplatz am Volksgarten. Angerzellgasse 8, 6020 Innsbruck. Geöffnet täglich von 10 bis 1

GEORG RINGSGWANDL

hennaoasch sei wachsam - chickenass be watchful

In der staaden Zeit mag der Rocknroll Ruhe geben. Vier Krauterer spielen Lieder, die Krampus Ringsgwandl in seinem rupfenen Sack mitgebracht hat.
Wer das Jahr über böse war, kriegt eins mit der Rute, die
Rechtschaffenen werden gelobt. Die Tage werden kürzer, und der Krampus zeigt dem Kleinhäusler, wie er erhobenen Hauptes durch das Spalier moderner Dämonen schreiten kann, die einen ja besonders dann plagen, wenns auf die Rauhnächte zugeht.


Lebenshilfe vom Arzt und muntere Gesänge als Vorbereitung auf Neujahr. Tips für gelungene Kleidung und das Schneeräumen, wertvolle Ratschläge für die Ernährung während der Feiertage und haarsträubende Geschichten aus der Nachbarschaft.

Ein lohnender Abend für Kleinkriminelle!

"Papst gsehng"

... jetzt steh i scho seit acht Stunden do und übe Geduld,
dreihundert Meter weg vom Altar.
Der Papst der hoit sei Predigt und er hat ja aa recht,
es is ja wirklich oft a bissl schlecht mi'm Geschlecht.
Und wie i grod so hi schau, ich kleiner Sündermann,
da schaut der Papst grad zu mir her,
ja der Papst schaut mich an!
Ja ja mi, ja ja mi
mi hat da Papst gsehng ...


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Die SÜDDEUTSCHE über Turbo-Schorsch:
Heimlicher Liebhaber von Kleingärtnern, Jongleur trostloser Oberflächlichkeiten, Anarchist und Arzt, alberner August, Provokateur, Philosoph, Ringsgwandl passt in keine Schublade. Er singt von der Straße und den Wirtshäusern und war doch immer bei sich zu Hause.

Der seit Ende der 70er Jahre auf der Bühne präsente "Multidilletant" und Musikkabarettist hat sich als Gurkenkönig von Mittenwald und Gaudibursch vom Hindukusch einen Namen gemacht. An diesem Abend ist der immer noch praktizierende Internist Ringsgwandl einfach nur "der Schorschi aus Tirol, a weng pervers und auch frivol". In Krailing fühlt er sich geborgen: "Hier draußen, scharf rechts hinterm Mond". Vorstadtspießer, Gartennazis mit Hochdruckreiniger oder Meckertanten könnte es hier geben. Nachdem er die zahlreichen Zuhörer im ausverkauften Zelt ein wenig zurecht gerückt hatte, legte er los.

In gepflegter Balkan-Eleganz singt er mit schwarzem Humor vom "Jedermann", dessen Tage gezählt sind. Fatalistisch sein Lied von jungen Eltern, die am Anfang stehen: "Irgendwie wird's scho wern, song die Oidn. C'est la vie". Dann plötzlich fliegt der Sepperlhut, wildes Gestikulieren, spontane, spitze Schreie. Was ist jetzt los? Sein natter-grünes Sakko von unschätzbarem Wert hat er ganz "sorchfältig" zusammengelegt um anschließend darauf rumzutrampeln.

Ringsgwandl pur: Unfassbar, schräg und gleichzeitig so authentisch. Ein Überraschungs- und Verwandlungskünstler mit faszinierendem Sinn für Unsinn. Schade nur, dass die meisten Lacher immer mit der banal-frivolen Nummer vom "Unterhoserl" zu holen sind. Ringsgwandl passt sich jetzt immer mehr an: Eine Marktanalyse von Jens - "der ist schon fast volljährig" - ergab: 95 Prozent seiner Platten werden aus Versehen gekauft, da er im Regal zwischen Ricki Martin und Robbie Williams steht. Doch eine riesige Marktnische wäre noch zu holen: "Frauen, die sonst von niemandem angesungen werden". Und was dann ein schönes Liebeslied werden könnte, wird zu hochstilisierten, kleinen Macken des Alltags - ausgelatschte Schlapperl und schlechte Abgaswerten zum Trotz; Ringsgwandl nimmt Dich wie Du bist.

Seine Botschaft von den inneren Werten ist voller Witz - aber leider ohne Wärme. Seine zaghaft politischen Songs kommen da schon klarer: "Schau ma doch wia's den andern so geht, bevor da Bush kimmt". Gitarrist Nick Woodland, sein treuester Partner auf der Bühne fetzt bei dieser, in bester Hendrix Manier gespielten, Nummer lässig routiniert über die Saiten. Ringsgwandl - nach der Pause geschminkt und umgezogen - füllt fünf Reagenzgläser mit seinem Sperma, befürchtet mitsamt Nase geklont zu werden und besingt die Liebe im Wohnmobil. Ein amüsant-beeindruckendes Resumee eines Künstlers, der zur aussterbenden Zunft schräger Vögel gehört.



Ein lohnender Abend für Kleinkriminelle!

Georg Ringsgwandl:              Gitarre, Heimorgel und Gesang
Nick Woodland:                    Sologitarre
Skip Thaller:                         Trommln, Rassln, Tambourin
Dipl.Ing. Thalhammer Martin:  Baß

Im November 1948 kommt im elterlichen Wohnzimmer in einem Vorort von Bad Reichenhall der kleine Georg Johann zur Welt. 20 Jahre später nimmt er ein Medizinstudium auf und promoviert 1975 zum Doktor. Als tätiger Arzt beginnt 1976 seine künstlerische Karriere mit vereinzelten Auftritten. Zehn Jahre später die erste Platte, Kleinkunstpreise, Konzerte, Tourneen. 1993 gibt er seine ärztliche Tätigkeit auf: Jeder Tag könnte der letzte sein!

Der dreifache Vater und 17-jährige Ehemann hat sich inzwischen einen Namen gemacht als Künstler, Kabarettist und Volkssänger, der in seinen Liedern "die Gesellschaft verarbeitet wie die Sau in der Wurst." Bissig, ironisch, sarkastisch sind seine Texte über die Probleme des einfachen Mannes, die Welt scheint schlecht, Ekel & Abschaum. Im Mittelalter wäre er als Ketzer wohl auf dem Scheiterhaufen gelandet, heute darf er ungestraft den Grand Prix als "moderne Grausamkeit" und Pendant zur "öffentlichen Hinrichtung" bezeichnen.

 
Mittlerweile sind sieben Platten von Ringsgwandl erschienen, die letzte - "Grache Wurzn" - im März 2001. Er gehört jedoch eher zu den Musikern, die ihr Publikum live ansprechen. Seine Auftritte sind immer mit Kabarettnummern gespickt, er macht eine Gaudi auf der Bühne, wirft sich in abgedrehte Kostüme und propagiert bayrische Mundart im deutschsprachigen Raum.

Ringsgwandl ist ein feiner Beobachter gesellschaftlicher Abgründe, er stellt die Alltäglichkeit des Lebens bloß und spricht aus, wofür sich der Rest zu schade ist: "Ich bin ein gesamtgesellschaftliches Seismometer und meine Nadel schreibt die Songs. Mein Hirn ist ein Radiowellenempfänger und mein Maul der Lautsprecher, der die empfangenen Strahlen in Geschichten verwandelt." Nur Prediger will er nicht sein. Wenn er auch bitterböse Momentaufnahmen macht, das Schöne am Leben sei, "dass es so dahinwackelt".
 
Lieber ein einfacher UPS-Fahrer, der sich darüber freut, sein Paket rechtzeitig abzuliefern, als die schöne heile und vor allem langweilige Welt der Verona Feldbuschs: "Das wär nicht auszuhalten."
So sieht sich Ringsgwandl als "Multidilettant", der "mehr oder weniger grausam singt" und seine Lieder davor bewahrt, Truckerhits zu werden, indem er "textliche Notbremsen" einbaut. Erstaunlich nur, dass die Gesellschaft so einen verträgt, wenn sie so ist, wie Ringsgwandl sie sieht.

Sein Album Gache Wurzn, was annähernd mit steile Wurzel übersetzt werden könnte, hat Georg Ringsgwandl in einer Münchner Wohnküche eingespielt. Begleitet haben ihn Nick Woodland, einer der besten in Deutschland lebenden Bluesgitarristen, Tak am Bass und Skip am Schlagzeug, und herausgekommen ist dabei ein feines, eher leises und mit hintergründigem Witz gespicktes Liederalbum im Stil seiner 1993 erschienen LP Staffabruck.
 
Ringsgwandl erzählt schwarzhumorige Kleinbürgergeschichten über das alltägliche Scheitern und die Tücken des Schicksals. Zu lässigem Country-Rock und Folk-Blues in der Tradition großer Songwriter wie Bob Dylan, Neil Young und J.J. Cale sinniert das bayerische Urgestein über Gefühls- und Wetterlaunen, den "Unscheinbaren Verkaufsvertreter" und die kleinen Fluchten und wartet im "Brucknwirt" mit einer deftigen Bürokraten-Moritat auf.

Vom bösen Mief, der in Vorstadtgärtern lauert, berichtet er im "Garten-Nazi", und aus der alten Chuck-Berry-Nummer "You Never Can Tell" wird bei ihm die lakonische Lebensweisheit "C'est La Vie".

 
2001 Gache Wurzn
1996 Der Gaudibursch
1995 Die Tankstelle
1993 Staffabruck
1992 Vogelwild
1989 Trulla, Trulla