treibhaus

Kulturprogramm für Stadtbenützer

Spielplatz am Volksgarten. Angerzellgasse 8, 6020 Innsbruck. Geöffnet täglich von 10 bis 1

das treibhaus ist wieder offen - alltäglich ab 16:00 bis sperrstund ist (ca 1UHR)

der Garten öffnet alltäglich ab 16:00 - um 19:00 mutiert der Teil vor der Gartenbühne in einen KONZERTSAAL. Das ganze Sommerprogramm findet an der frischen Luft statt. Konzertbesucher können gern Platzkarten reservieren - procedere wie im Sommer & Herbst. (auf www.treibhaus.at/programm). Einlaß in den "Konzertsaal" ist um 18:00. Restkarten werden am Veranstaltungstag ab 18:30 ausgegeben // fürs Wirtshaus reservieren wir keine Tische - denn da ist Platz für fast alle: die Weiberwirtschaft hat sich auf den Treibhaus-Vorplatz ausgedehnt - unser Begleitservice hilft beim Tisch-suchen. Kommt, ihr habt alle Platz # alles wird gut.

TINARIWEN tuareg

DESERT BLUES der tuaregs :  die Rolling Stones der Sahara

Tinariwen sind Touaregs, Wüstensöhne bzw. -töchter und Freischärler, die neben ihrer Musikertätigkeit in der Vergangenheit auch noch den Freiheitskampf des nördlichen Mali aktiv unterstützt haben. Nach dem Friedensschluss 1992 blieb dann nur noch die Musik übrig und das war auch gut so. Denn diese Mischung aus aufständiger Protesthaltung und einer jahrhundertealten Beduinen-Tradition hat in Verbindung mit einer gesellschaftlichen Neuorientierung und westlichem Rock und Blues eine einzigartige Rebel-Music hervorgebracht.
“Tinariwen capture the poetry and hardships of nomadic life and exile in hypnotic, modal vocals and a tangle of sidewinding riffs that sound like a mirage come true: Keith Richards, Ry Cooder and Ali Farka Toure picking side by side under an unforgiving sun.”
David Fricke – Rolling Stone (USA)

Tinariwen – Gitarren statt Gewehre

Im gesamten Land der Nomaden, überall zwischen Timbuktu und Tamanrasset gilt die Gruppe Tinariwen als die Pioniere des Tuareg-Rock. Ihre Geschichte ist die einer Rebellion, denn diese Gruppe junger Tuaregs lebte in der südlichen Einöde der Sahara in der Nähe der Stadt Kidal im Nordosten Malis. Mitte der 70er Jahre wurde ihr Heimatland durch eine Dürre verwüstet. Das nomadische Leben, welches ihre Vorfahren seit Anbeginn der Zeit führten, war nicht mehr möglich. So verließen sie ihre Heimat und gingen ins Exil. Sie sprangen auf vorbeifahrende LKWs auf, fuhren per Anhalter und stahlen sich über die Grenze ins südliche Algerien, nach Mauretanien, oder nach Burkina Faso. Dort taten sie alles, was zum Überleben notwendig war.  

Man nannte sie ishumar, die Arbeitslosen. Diese Jugend war wütend auf die Regierung Malis, weil sie ihr Volk der Tuareg diskriminierte. Sie war wütend auf die traditionelle Gesellschaftsordnung der Tuareg, weil sie mit ansehen musste, wie alte Vorurteile sie auf einen Abgrund zuführten. Und sie war wütend auf das Leben im Allgemeinen, weil es so hart und erbarmungslos war. In den frühen 80ern folgten jene jungen Tuaregs dem Ruf Ghadaffis in militärische Trainingscamps in Libyen. Dort hörten sie das erste Mal Rock, Blues und Soul. Sie erfanden eine neuen Musikstil, einen revolutionären, rebellischer Rock & Roll, beeinflusst durch amerikanische Musik und den nordmalischen Gitarrenstil von Ali Farka Touré, der aber auf traditionellen Melodien und Rhythmen der Tuareg basierte. In den frühen 90ern kämpften sie gegen die Regierung Malis. Aber die Zeiten, in denen Tinariwen über der einen Schulter ein Gewehr, über der anderen eine Gitarre trugen, sind vorbei. Nach dem Friedensschluss handelte ihre Musik von Versöhnung, Wiederaufbau, Erziehung und den Freuden des Friedens, von Verlust und Nostalgie. Dies ist die Geschichte von Tinariwen, einer Gruppe, deren Musik der Soundtrack einer wahren Revolte war und nun ein Gedicht über die Rebellion der Seele und des Stolzes einer einsamen Nation geworden ist.

Nach der unauffälligen Veröffentlichung ihres ersten Albums "The Radio Tisdas Sessions", das mit der Hilfe von Solarenergie in den Studios von Radio Tisdas aufgenommen wurde, gibt die neue CD Amassakoul ihrer Musik Dauerhaftigkeit. In den elf Songs sind mitreißende Rhythmen und leidenschaftliche Worte vereinigt. Sie alle sind entscheidend, wesentlich und ehrlich. Sie sind die Frucht von Leid und Hoffnung, die größer sind, als eine Person ausdrücken kann, die Frucht der Hoffnung einer ganzen Gemeinschaft, eines Tages ihre wahren Werte zu entdecken.  

 „Das Schöne an der Wüste ist, dass sie irgendwo einen Brunnen verbirgt", sagte Antoine de Saint-Exupéry einmal. Nun wissen wir: sie birgt auch musikalische Schätze.  


Den Begriff des alten Gitarren-Rock ‘n’ Roll zu definieren, dürfte nicht allzu schwer sein. Sollte man meinen. Ein bißchen Chuck Berry, ein bißchen Jimi Hendrix, ein bißchen  Jeff Beck und fertig ist die Laube. Eine Laube, die allerdings mittlerweile schon etwas baufällig geworden ist und von HipHop, Dancefloor und NuElectronics zermalmt zu werden droht. Wer aber hätte gedacht, daß es da in der Sahara ein paar vermummelte Gitarreros gibt, die in diese Definition unbedingt mit einbezogen werden müssen, denn diese Jungs (und Mädels) könnten dem darniederliegenden Klampfen-Rock durchaus wieder auf die Beine helfen. Ihre Missionsarbeit haben sie schon seit längerem aufgenommen, aber so richtig wahrgenommen wurden sie erst 2003 beim großen „Festival Au Desert” in der Nähe von Timbuktu, im Herzen der Sahara.

Was machen Teenager, wenn sie sich langweilen, sehr musikalisch sind und ausge-rechnet das Glück hatten, in die südliche Sahara hineingeboren worden zu sein. Sie greifen die Instrumente, stimmen die Saiten und legen los - in bester Dessert-Blues-Manier. Zwischen Moderne und den einerseits geliebten und doch zugleich gehassten Traditionen der Tuareg wuchsen diese Menschen auf, wurden älter und kreierten ihre eigene Vision von Rock bzw. Blues. Dabei basieren ihre Lieder auf Melodien und Rhythmen der Tuareg, verbinden diese afrikanischen Wurzeln jedoch mit dem schleppenden Blues der USA. Es dominiert allerdings der afrikanische Anteil. Die Titel ziehen an einem vorbei, wie eine Karawane vor untergehender Sonne. Der Ge-sang wird im Call- and Response-Prinzip vorgetragen, unterlegt von vor sich hin klimpernden und jaulenden, doch nie brachialen Gitarren. Mit der Zeit entwickeln die-se Stücke einen hypnotischen Sog und nehmen einen gefangen. Das Album wurde gerade vom englischen Magazin 'songlines' als eins der "50 essential african albums" gewählt & in Frankreich stieg es bereits in die Albumcharts ein. Toll!


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Tinariwen
Der Blues der "Blauen Männer"

Musik und Poesie kommen selten mit Krieg in Berührung. Soldatentum und das Komponieren und Texten passen nicht besonders gut zusammen. Die Songs von Tinariwen überfallen einen aus dem Hinterhalt einer Sanddüne und zeigen den Zusammenhang von Künstlern und Kämpfern auf. Das packendste der vielen Bilder, die die Legende der Gruppe beeinflußt haben, ist das von Kheddou Ag Hossad. Er bricht auf, um den Militärposten Malis in Meneka in der Nähe der Grenze zu Niger zu attackieren. Mit einer Kalaschnikov in der Hand und einer E-Gitarre auf dem Rücken. Dieses Gefecht fand am 30. Juni 1990 statt und läutete den zweiten Aufstand der Tuareg ein. Er zog sich über drei Jahre hin und forderte Tausende von Opfern. Während dieses Konfliktes nahmen Tinariwen eine Doppelrolle ein. Sie waren als Guerilla in den Freiheitskampf der Region Adrar des Iforas im Norden Malis verwickelt. Gleichzeitig schmiedeten sie als Musiker ihren ganz eigenen Stil während der vielen Abende am Lagerfeuer nach einem Gefecht. Das mag für uns rational nicht nachvollziehbar sein, da wir nicht an Menschen gewöhnt sind, die die rivalisierende Berufung von Musik und Krieg angenommen haben. Für einen Tuareg hingegen ist das Bild eines poetischen Soldaten nicht schizophren oder merkwürdig. Im Gegenteil: Dieser Umstand bindet den Einzelnen an sein Volk und an dessen lange Geschichte. Für die Bewohner der Wüste war Poesie lange Zeit eine Art von Kriegsführung. Wenn sie in ihren Versen die Schwerter tanzen lassen, ist dies ein Bild des wirklichen Konflikts.

Zuerst muß ein Tuareg eine feindliche Umgebung, die Sahara, und eine Sprache (Tamashek) bändigen. Wenn sich die Menschen der Wüste wieder in ihrer ursprünglichen sprachlichen und geographischen Umgebung befinden, sind sie keine "Tuareg" mehr - ein falscher Name, der ihnen von den Arabern gegeben wurde und soviel heißt wie "von Gott verdammt". Sie werden imajeghen (freie Menschen) oder kel Tamashek (Leute, die Tamashek sprechen) genannt. Dies sind passendere Bezeichnungen, die sowohl die Natur als auch die Identität der Wüstenvölker definieren. Sie sind auch unter dem Namen "Blaue Männer" bekannt geworden, denn die kräftig blaue Farbe ihrer Turbane färbt auch ihre Haut blau. So wie der Besitz von Territorium immer von der Kontrolle von Quellen und Wasserressourcen abhängig war, waren ihre Worte schon immer mit Metaphern und Elegien angereichert. Es scheint, als ob das Leben in der verlassenen Unendlichkeit die Menschen dazu zwingt, zwei Arten von Durst zu stillen: Den Durst des Körpers und den der Seele. Die Verteidigung und Eroberung von neuen Ländereien war der Auslöser vieler Konflikte, sei es zwischen rivalisierenden Stämmen oder Kämpfe gegen die französischen Eroberer und die neuen afrikanischen Staaten, die nach dem Ende der Kolonisation entstanden. Eine ganze Reihe von Helden entstand, darunter Kaocen, Firhoun und Chokbo, die eine von dem Kommandanten Bonnier angeführte französische Kompanie an der Takumbawt-Oase besiegten. Die berühmtesten unter ihnen haben die Tapferkeit der "Blauen Männer" durch die Geschichte bis heute aufrechterhalten. Die Leidenschaft für Worte hat so viele Verse von großartiger poetischer Vielfalt hervorgebracht, dass der bekannte französische Missionar Charles de Foucault alle missionarischen Ambitionen aufgab und sein Leben der Übersetzung dieser Verse ins Französische widmete.

Tinariwen wurden aus der Kunst der Sprache und des Unheils der Waffen geboren und sind ein Produkt dieser Welt. In gewisser Weise ist die Gruppe auch eine Reflektion des Zusammenbruchs dieser Welt. Zwei Kriege gegen Mali (1963-1990) und eine Serie von ökologischen Katastrophen veränderten grundlegend die ahnengebundene Lebensweise, die auf nomadischem Hirtentum beruhte. Die Friedensschlüsse von 1992 hinterließen einen bitteren Nachgeschmack. Die Lieder von Tinariwen beklagen das Ende des goldenen Zeitalters der Stämme der Sahara und sind gleichzeitig bemüht, den nächsten Generationen einen Weg aufzuzeigen, in der modernen Welt leben zu können. Die Spannungen zwischen der glorreichen Vergangenheit und der ungewissen Zukunft entfachen die Kraft von Worten und Musik, deren Geist und Struktur für viele den ursprünglichen Blues wachruft. Der Ursprung des Blues kann ohne Zweifel auf diese bestimmte Region um den Niger zurückgeführt werden, wo dieser sich nach Süden reckt, um nach seiner Reise durch die Wüste auf die tropischen Gefilde der Küste Nigerias zuzusteuern. Der Blues der "Blauen Männer" zeigt die Stufen der Geschichte, Vergangenes und Gegenwärtiges, einer vergessenen Nation und enthüllt ebenfalls Elemente der traditionellen Musik, gefiltert durch moderne Einflüsse der elektronischen Instrumentierung. Dieser Zusammenschluß des Alten und Neuen würde unecht klingen, wenn nicht die Geschichte jedes einzelnen Bandmitglieds einen Hauch von Exil, Tragödie und Sublimierung beisteuern würde.

Vor Tinariwen existierte die Idee einer Gruppe in der südlichen Sahara nicht einmal. Es gab nur Gruppen, die sich spontan für die Abende in den Camps oder Oasen zusammen fanden. Die grundsätzliche Struktur dessen, was ursprünglich Taghreft Tinariwen (Die Gruppe der Wüsten) genannt wurde, entstand im Zuge der Rebellen-Bewegung. In einem Militärcamp in Libyen, das von Ghaddafi errichtet wurde und Flüchtlinge aus den Nachbarländern aufnahm und trainierte, trafen sich die Mitglieder von Tinariwen das erste Mal. Zu dieser Zeit waren Kheddou, Ibrahim, Enteyeden und Mohammed (auch "Japonais" genannt) unter dem Kommando von Iyad Ag Ghali, dem Kopf des MPA bzw. Popular Movement of Azawad, der für die Emanzipation der nördlichen Gebiete Malis kämpfte. Der selbe Iyad Ag Ghali finanzierte der Band die Gitarren und nutzte einige von ihren Songs für Propagandazwecke während der Aufstände von 1990. Das Exil vereinigte die jungen Männer aus Kidal, der Hauptstadt der Region Adrar, in den Weiten der Wüste wieder. Die Musik schweißte ihre Talente zusammen.

Ibrahim verließ Mali als Kind, nachdem sein Vater, der die Guerilla heimlich mit Munition ausstattete, in den frühen 60ern von Soldaten getötet wurde. Die anderen schlossen sich der Rebellen-Bewegung sowohl wegen Arbeitslosigkeit als auch aus purer Überzeugung an. Der Zustand der Nutzlosigkeit im Exil brachte ihrer ganzen Generation den Namen ishumar ein, abgeleitet von dem Wort "chomeur", dem französischen Ausdruck für "arbeitslos". Der Name wurde langsam zu einer Art metaphysischem Etikett für einen ganz neuen Musikstil, bei dem die Grundlage der Existenz ständig in Frage gestellt wird. Nach dem Friedensschluß gaben die enttäuschten Heimkehrer zwar ihre Waffen ab, ihre Gitarren jedoch behielten sie.

Seitdem hat sich vieles verändert. Kheddou ist nach Algerien gegangen. Enteyeden ist an Lungenkrebs gestorben. Nun ist es Ibrahim, der das zukünftige Schicksal der Gruppe in den Händen hält. An seiner Seite stehen seine alten Freunde: Hassan, der seit den späten 70ern mit dabei ist, als die Gruppe sich zwischen Tamanrasset im Süden Algeriens und Libyen niederlassen wollte, und Abdallah, der seine persönliche besinnliche und romantische Note in die Gruppe bringt. Japonais kommt und geht. Mina und Wounou bilden die weibliche Seite der Gruppe. Die Jüngeren Eyadou, Said und Elaga vervollständigen diese Bruderschaft, die im Exil geboren wurde und unsichere Zeiten überlebte. Nach der unauffälligen Veröffentlichung ihres ersten Albums "The Radio Tisdas Sessions", das mit der Hilfe von Solarenergie in den Studios von Radio Tisdas aufgenommen wurde, gibt die neue CD Amassakoul ihrer Musik Dauerhaftigkeit. In den elf Songs sind mitreißende Rhythmen und leidenschaftliche Worte vereinigt. Sie alle sind entscheidend, wesentlich und ehrlich. Sie sind die Frucht von Leid und Hoffnung, die größer sind, als eine Person ausdrücken kann, die Frucht der Hoffnung einer ganzen Gemeinschaft, eines Tages ihre wahren Werte zu entdecken.

Jeder Song ist ein Zeugnis von Erfahrungen, die zwar individuell sind, jedoch von einer ganzen Gemeinschaft geteilt werden. In dem Song Arouane legt Abdallah den Grundstein für Tamashek-Rap und erzählt, wie die Wüste sich nach und nach bis in das Innerste eines Menschen ausbreitet und dessen ganze Existenz bestimmt. In der authentischen Sahara-Rock & Roll-Nummer Oualahila Ar Tesninam ruft Ibrahim zum einzigen Aufstand auf, der die Mühe noch wert ist: Die Revolte des Individuums, das in Apathie und Unentschlossenheit gefangen ist. Mit dem Song Ténéré Dafeo Nickchan, einer bewegenden Elegie begleitet von der tindé-Trommel, der t'zamârt-Flöte und der elektrischen Gitarre, bereitet Ibrahim uns Gänsehaut und erklärt uns die Bedeutung von asouf, dem tiefen physischen und moralischen Sinn der Einsamkeit und Nostalgie, der all seine Poesie über die Dünen bestimmt. Dieser Moment von Gedanken an getötete Kameraden, verlorene Freunde und vergangene Liebe macht uns glücklich, traurig zu sein. Viele Fragen bleiben offen: Kennt die Seele eines Soldaten den Frieden, wenn der Lärm der Pistolen verstummt ist? Sind die Träume eines Soldaten zerplatzt, wenn er seine Zivilkleidung zurückerhält? Oder bleiben sie auf einem imaginären Schlachtfeld zurück, ohne Hoffnung auf Begnadigung?