treibhaus

Kulturprogramm für Stadtbenützer

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HADER / DORFER / STER & GRISSEMANN - ENDLICH IM VORVERKAUF

JOSEF HADER - am 17.12. liest er gemeinsam mit ALFRED DORFER indien, am 18. & 19.12. ist HADER ON ICE, sein neues solo. am 16. Dezember spielt Alfred DORFER und... karten gibts ab ab sofort - aber nimmer lang...

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RUDRESH MAHANTHAPPA

ein indischer saxofonist erobert die internationale jazzszene mischt die amerikanische jAZZ-SZENE AUF -  DOWN-BEAT-CRITICS POLL - bester ALT SAXophinist 2011 & 2012  & 2013 -

Es dauerte eine Weile, bis die Jazzfans seinen Namen aussprechen konnten. Seit einer Dekade zählt der Altsaxofonist Rudresh Mahanthappa zu den innovativsten Musikern im heutigen Jazz. Der 1971 in Triest geborene und in Boulder, Colorado aufgewachsene Künstler begann sich während seines Studiums am Berklee College Of Music intensiv mit der Musikkultur seiner südindischen Vorfahren zu beschäftigen. Ein Guggenheim-Stipendium ermöglichte die Realisation des erstaunlichen Albums „Kinsmen“ mit dem Saxofonisten Kadri Gopalnath, einer lebenden Legende der karnatischen Musik. Durch Mahanthappa erlangten die Indo-Jazz-Fusionen, die vor allem durch Coltrane und McLaughlin angeregt wurden, eine neue Dimension. Den neuesten Stand markiert der in mikrotonale und rhythmisch extrem raffiniert gestaltete Bereiche vorstoßende Power-Funk von Rudresh Mahanthappa’s Gamak.

GAMAK

RUDRESH MAHANTHAPPA alto sax
REZ ABBASI  fretless & fretted guitar
RICH BROWN bass
JORDAN PERLSON drums

EIN INDER IN AMERIKA
Weder schwarz noch weiß: Asiatische Musiker wie der Saxofonist Rudresh Mahanthappa eröffnen dem Jazz neue kreative Potenziale.
VON STEFAN HENTZ
aus DIE ZEIT

Als Rudresh Mahanthappa anfing zu studieren, machte er eine neue Erfahrung. Zum ersten Mal kam er in eine Stadt mit einem nennenswerten afroamerikanischen Bevölkerungsanteil und erlebte den kleinen Unterschied der Hautfarbe und seine großen Folgen. Er sah, dass er selbst nicht dazugehörte, denn seine Haut war braun – weder schwarz noch weiß. Damit tauchten die Fragen nach seiner ethnischen Identität auf, nach Zugehörigkeit und Fremdheit, nach Mischungsverhältnissen im kulturellen Erbe, die immer auch Antriebsfedern in der Entwicklung des Jazz sind. Für Mahanthappa gab es keine Vorbilder, die Antworten vorformuliert hatten. Indoamerikaner, Immigranten aus Indien und Südasien, waren ein neues Phänemen, erst eine Änderung der Immigrationsbestimmungen in den sechziger Jahren hatte ihnen die Türen geöffnet und eine Einwanderungswelle ausgelöst. Mittlerweile sind die Kinder der südasiatischen Immigranten erwachsen und auch in der Jazzszene zu einer sichtbaren Größe geworden. Mit zunehmender Intensität speisen sie ihr kulturelles Erbe in den Materialfundus des Jazz ein.

Rudresh Mahanthappa wurde 1971 in Triest geboren. Er ist Sohn indischer Eltern, die schon in den fünfziger Jahren dem Ruf der Wissenschaft in die Vereinigten Staaten gefolgt waren. Aufgewachsen ist er in der Universitätsstadt Boulder, Colorado, am Fuße der Rockies, dort, wo Amerika sehr weiß ist, wo man als Kind indischstämmiger Wissenschaftlern zwar Erfahrungen mit rassistischer Nachrede sammelt, aber nicht wie in den großen Städten mit den Parallelgesellschaften, die sich entlang der Hautfarben sortieren. »Ich habe versucht, weiß zu sein«, sagt der Saxofonist, »und habe mich meistens selbst für einen Weißen gehalten.« Indien war für ihn auf die religiösen Rituale der Eltern, praktizierender Hindus, geschrumpft und das indische Essen, das den familiären Speiseplan prägte. Kultur war die westliche, Theater, Sinfonieorchester, manchmal auch Jazz. Als in der Schule eine Big Band gegründet wurde, wählte Rudresh das Saxofon, sein Lehrer brachte ihm Musik zum Hören mit, eine weite Palette, wildes Zeug – Sidney Bechet und Ornette Coleman, Frank Zappa. Ein Doppelalbum von Charlie Parker besorgte den Rest: Mahanthappa hörte die Solos ab, übte, und irgendwann war er ein richtig guter Jazzsaxofonist, feurig und virtuos, ungestüm und bei aller Leidenschaft diszipliniert und formbewusst.

Es folgte das Jazzstudium. Mahanthappa sammelte Auszeichnungen und Stipendien und dockte sich an die Szene um den Saxofonisten Steve Coleman und das Musikerkollektiv M-Base in New York an, die mit komplexen, sich immerzu wandelnden Taktmustern arbeiteten und darin eine gewisse Verwandtschaft zur klassischen indischen Musik aufwiesen. In diesem Umfeld traf er auch auf den Pianisten Vijay Iyer, der so etwas wie sein musikalisches Spiegelbild ist. Die beiden sind im selben Jahr geboren und teilen als Kinder indischer Einwohner die hybride Identität. Beide zögerten lange, bevor sie begannen, sich mit indischer Musik zu beschäftigen, beide erlagen dann jedoch der Faszinationskraft dieser Musik, Iyer als Pianist eher von der rhythmischen Seite her, während sich Mahanthappa zunächst mehr für die Melodik und die Techniken der ornamentalen Ausschmückung der Melodien interessierte. Mittlerweile haben sie in ihrem Zusammenspiel eine Plattform gefunden, auf der sie sich unbefangen dem mächtigen Erbe nähern. Vorsicht ist geboten, denn frühere Versuche einer Verknüpfung von Jazz und indischer Musik durch John Handy beispielsweise oder das Mahavishnu Orchestra finden vor ihrem Urteil keine Gnade: Die seien oberflächlich exotisch und letztlich unbefriedigend. »Mein Zugang zu dieser Verknüpfung ist ein ganz anderer«, erklärt Mahanthappa. »Es geht nicht darum, dass ich mich für indische Musik interessiere, es geht darum, dass ich indisch bin, indisch und amerikanisch, und gleichzeitig keins von beidem.«

Gerade Mahanthappa hat in den letzten Jahren Maßstäbe gesetzt in der Verbindung von Jazz und klassischer indischer Musik. In Madras suchte er den Saxofonisten Kadri Gopalnath auf, der die komplexen Intonations- und Ornamentierungstechniken der südindischen Musik auf sein Instrument übertragen hat und mittlerweile als Meistermusiker gilt. Mit einem Jazzquartett und Gopalnaths Dakshina Ensemble nahm er danach ein Album auf, das die Ragaskalen und die zirkulären Rhythmisierungen der karnatischen Talas in einen im Jazz beheimateten Improvisationsprozess glanzvoll einbindet.

Auf Samdhi, seinem neuesten Album, bringt Mahanthappa nun die Spannung zwischen dem elektrischen Sound des R&B seiner Jugend und Ideen aus der klassischen indischen Musik zum Leuchten. Man hört Mahanthappas volltönendes Altsaxofon, wie es über einem Bordun sanft durch die Oktaven gleitet wie durch ein Wasserbassin, in dem alle Bewegung leicht gedämpft wird. Mit Veränderungen seines Lippenansatzes umspielt er die Tonhöhen und treibt in schwebenden Bewegungen weit weg von der Intervallik der westlichen Musikkultur. Dann explodiert die Musik regelrecht. Man vernimmt ein vertrackt zirkuläres Thema, nervös und mit kantiger Virtuosität vorgetragen, während ein funky Puls die Bewegungsenergie hoch hält.

»Jede einzelne Melodie basiert auf der Tonfolge eines speziellen Raga«, erklärt Mahanthappa den komplizierten Bauplan seiner Stücke, »jede Taktfolge auf einem südindischen Akzentzyklus oder Polyrhythmus.« Auch mit dem konsequent durchgehaltenen Wechsel von Solostücken über einem Bordun und anschließenden bewegten Ensemblestücken knüpft er an Gepflogenheiten der klassischen indischen Musik an. Allerdings wirft Mahanthappa dem Ganzen ein sehr westliches Klangkostüm über, vorlaut, mitreißend, heiß, garniert nach allen Regeln der elektronischen Klangbearbeitung – ein wildes Hybrid. »Mit dieser Musik«, sagt Mahanthappa, »spreche ich alle Facetten meiner Persönlichkeit an: den Musiker, den an mathematischen Fragen interessierten Intellektuellen und meine Herkunft. Sie drückt aus, was es bedeutet, ein Inder in Amerika zu sein.«


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GAMAK

Der preisgekrönte Saxophonist und Komponist Rudresh Mahanthappa geht auch auf seinem neuen Album “Gamak” ungewohnte Wege. Er ist sich nicht zu bequem, so lange zu experimentieren, bis Stile und Ideen zusammenpassen, die bei anderen Musikern schon im Ansatz als unpässlich verworfen würden. Musikalische Unterstützung suchte er sich bei Musikern, mit denen er schon auf seinem Album “Codebook” zusammenspielte – Francois Moutin (Bass) und Dank Weiss (Schlagzeug). Für sein Vorhaben, Elemente aus Jazz, Rock, Folk und Weltmusik zu einem eigenständigen, modernen Stil zu vereinen, fand er zusätzlich die Unterstützung des Gitarristen David Fiuczynski. Und genau dieser Fiuczynski ist es dann auch, der das anfangs scheinbar fehlende Bindeglied aller dieser Stile war. Wo Weiss und Moutin die Grundlagen legen, vermengen Mahanthappa und Fiuczynski die vielseitigen Elemente mit der nötigen Würze zu einem Guss

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kritik zur letzten CD SAMDI:

Der indischstämmige, in den USA aufgewachsene Rudresh Mahanthappa gilt schon seit Jahren als großartiges Talent und Zukunftshoffnung der Jazzszene und hat 2012 den renommierten und prestigeträchtigen „Downbeat International Critics Poll“ als bester Altsaxophonist gewonnen. Mahanthappa ist aber nicht nur ein grandioser Instrumentalist, sondern auch ein höchst experimentierfreudiger und eigenwilliger musikalischer Trendsetter.
So darf man angesichts der neuen CD „Samdhi“ durchaus von einem Meilenstein in punkto Fusion von westlichem Jazz und indischer Musik sprechen. Und mit Fusion ist hier tatsächlich „Verschmelzung“ und nicht das sonst geläufige verkaufsfördernde, aber oberflächliche Ineinanderverschachteln beider Musiktraditionen gemeint. So wie Mahanthappa in sein an der gesamten Jazzgeschichte geschultes Saxophonspiel mühelos indische Ornamentierungen, Klangfarben oder mikrotonale Höhenverschiebungen integriert, gelingt ihm auch die perfekte Verschränkung der akustisch gespielten südindischen Musiktradition mit über weite Strecken funkigem Elektrojazz. Da geht oftmals wirklich die Post ab, denn der junge, ungemein kraftvolle und schnelle amerikanische Drummer Damion Reid harmoniert perfekt mit dem indischstämmigen Perkussionisten Anand Anantha Krishnan, und gemeinsam mit dem kanadischen Bassisten Rich Brown bilden sie das ideale Rhyhthmusgespann, das dem Bandleader und dem äußerst versierten Gitarristen David Gilmore jene Basis liefert, über die sie ihre unkonventionellen und einfallsreichen Soli legen können. Aber auch die wunderschöne, fast schon klassisch anmutende Ballade „For All The Ladies“ findet in diesem abwechslungsreichen Album ganz zum Schluss noch ihren Platz und macht Lust darauf, sofort auf die Repeat-Taste zu drücken und die 65 Minuten und 16 Sekunden „Samdhi“ nochmals zu genießen.