treibhaus

Kulturprogramm für Stadtbenützer

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VIJAY IYER

The RISING STAR, der dem amerikanischen Jazz eine indische seele einhaucht.

Vijay Iyer ist der Mozart der Jazzmusik: Man wird diese Phrase noch hassen, ihr Urheber und selbst der Künstler werden mit den Augen rollen, wenn sie darauf angesprochen werden - aber herausragende Kreativität muss einfach himmelhoch gepriesen werden. Und was Pianist und Komponist Iyer, 1971 in Rochester im US-Bundesstaat New York geboren,  darbietet, ist Klavierjazz erster Güte. Herausragende Arrangements und geniale Improvisationen erweitern den Hardbop um Farben, Harmonien und Rhythmen, der Freejazz wird durch dezente Intensität der Tonsprache überwunden. Das Material erfährt eine artifizielle Durchführung, in der Zergliederung liegt die Sublimierung; Erkundungen, Ereignisse in Struktur- Faszinierender und spannender Jazz von kammermusikalischer Güte, eine Sensation! Und wem der Vergleich mit Mozart zu plakativ ist, der stelle sich ein Kompendium aus Thelonious Monk und Andrew Hill einerseits, Bartok und Ligeti andererseits vor. Auch das würde ansatzweise den Genius Iyers beschreiben. (jan)

Vijay Iyer (p)
Stephan Crump (b)
Marcus Gilmore (dr)

„Mittlerweile kann es keinen Zweifel mehr daran geben, dass der Pianist und Komponist Vijay lyer zu den kreativsten und innovativsten Jazzkünstlern der Generation unter 40 zählt,” schreibt Howard Reich in der Chicago Tribune. Von The Village Voice wurde er als „der überragendste Pianist und Komponist, den die letzten Jahre hervorgebracht haben” beschrieben, und von The New Yorker als einer der “wichtigsten zeitgenössischen Pianisten mit außerordentlicher Begabung” gewürdigt.
Mit seinem Debüt als exklusiver ACT-Künstler liefert er eine spektakuläre Neudefinition des klassischen Klaviertrios ab - mit einer erstaunlichen Zusammenstellung von Cover-Versionen und Eigenkompositionen in der unverkennbaren Handschrift von Vijay Iyer.

Der in Amerika geborene Sohn indischer Einwanderer ist Autodidakt mit Wurzeln im amerikanischen Jazz und der populären Musik. Er schöpft aus einer großen Bandbreite westlicher und nicht-westlicher Traditionen.  Der Umfang und die Tiefe von Iyers Schaffen entziehen sich jedweder einfachen Beschreibung. Seine Musik hat so weite Felder abgedeckt, dass man beinahe vergessen könnte, dass dies alles zu derselben Person gehört.


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Mathematische Eleganz
DIE ZEIT

Der Amerikaner Vijay Iyer , Sohn indischer Einwanderer, gilt als der Jazzpianist der Stunde. Sein Spiel ist utopisch, spannungsgeladen und immer wieder überraschend.
Zwei Töne nur, auf dem Klavier im Bassregister gespielt – mehr braucht es nicht, um eine Bewegung zu schaffen. Vijay Iyer nimmt sie mit der rechten Hand auf, verformt sie schnell zu eckigen Floskeln aus dem Schatzkästlein des Bebop und begibt sich auf eine Reise durch die Geschichte des Jazzpianos.
Gehämmerte Blockakkorde, das Zerfließen von Harmonie in perlende Melodieläufe, die sich langsam mit Spannung anreichern, dann wieder ein zackiges Gegeneinander von Bass und Akkord wie zu Hochzeiten des Stride Pianos. Eines folgt wie zwangsläufig auf das andere, bevor sich gegen Ende des Stückes der Puls verzögert und eine Melodie aus den feierlich ausgebreiteten Arpeggien auftaucht.

Man muss nicht frei spielen, um frei über das musikalische Material zu verfügen, und nicht historisierend, um sich in eine Traditionslinie zu stellen.

Die internationale Jazzpresse feiert Vijay Iyer als den Jazzpianisten der Stunde. Ein Pianist, der eigene Wege geht und nach Lehrjahren an der Seite von formbewussten Avantgardisten wie George Lewis, Steve Coleman oder Roscoe Mitchell, frei ist von nostalgischen Aufwallungen.

Weder imitiert er den Nachtclub-Glamour aus der goldenen Ära des Jazz, noch überschwemmt er den Hörer mit einer Flut von Arabesken, noch trauert er dem Free Jazz hinterher: Eher strebt Iyer, wie er kürzlich in einem Interview betonte, in seiner Musik nach “einer gewissen mathematischen Eleganz”. Und verleiht ihr ganz nebenbei die Dringlichkeit, die sie aus der Flut von Piano-Trio-Aufnahmen heraushebt.

Ähnlich wie die afroamerikanischen Gründerväter des Jazz ist Vijay Iyer doppelt geprägt: zugehörig, aber unübersehbar anders. Unbestritten ein Amerikaner, als Sohn indischer Einwanderer jedoch mit einem zweiten biografischen Bezugsrahmen aufgewachsen. Im günstigen Fall wird man weltläufiger auf diese Art, freier.

Iyer studierte Mathematik und Physik, vertiefte sich in die Neurowissenschaften und wurde mit einer Arbeit über den Zusammenhang von Denken und musikalischen Rhythmen promoviert. Als Jazzmusiker dagegen ist er Autodidakt, ein Pianist, der sich sein Können jenseits der Lehrpläne der Jazzhochschulen erarbeitet hat. Schon deshalb geriet sein Spiel nicht in Gefahr, sich mit üblichen Floskeln so tief einzufräsen, dass kein Raum bleibt für das Finden neuer Lösungen.

Iyer weiß, was er tut: Vier eigenen stellt er auf dem Album Historicity sechs Fremdkompositionen gegenüber, die seine Haltung zur Geschichte illustrieren. Leonard Bernsteins Stück Somewhere zum Beispiel verweist auf den utopischen Ort, der musikalisch beschworen wird und macht Iyer zum Teil der Bürgerrechtsbewegung. Und so wie das Trio den Song spielt, ist der Weg vom sonnigen Walking Bass zur Utopie noch nicht bewältigt; noch gibt es reichlich Reibung und Dissonanzen, noch sind Phrasen und Formteile verschoben, manchmal um einen Takt verlängert, dann wieder komprimiert oder auch beides zugleich.

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Jazzpiano-Titanen wie monk, ellington, mccoy Tyner, alice coltrane und andrew hill sind unüberhörbar. ebenso finden sich reminiszenzen an komponisten der klassischen musik wie reich und bartok. darüber hinaus fließen klänge aus rock, Soul, funk, hip-hop, elektronischer musik und Versatzstücke aus seinem indischen erbe in iyers musik ein. Seit einigen Jahren ist Vijay iyer Seriensieger der kritikerumfragen. So ist er in der aktuellen kritikerumfrage des renommierten downbeat magazine international critics‘ Poll Sieger in der kategorie „rising Star Pianist“, sein Trio wurde als „rising Star Jazz Group“ auf den zweiten Platz gewählt und dritter ist iyer unter den „rising Star Jazz artists“ und „rising Star composers“.