treibhaus

Kulturprogramm für Stadtbenützer

Spielplatz am Volksgarten. Angerzellgasse 8, 6020 Innsbruck. Geöffnet täglich von 10 bis 1

DAS TREIBHAUS HAT GESCHLOSSEN. DAMITS BALD WIEDER AUFSPERREN KANN

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STATION 17

Jenseits von gönnerischem Gutmenschentum und vorführender Freakshow müssen Station 17 ihre eigene künstlerische Sprache finden.

Geistig behinderte Musiker und nicht geistig behinderte Produzenten entwerfen hier ihre Version avantgardistischer Elektronik. PC und Studio dienen als digitaler Schrankenöffner, sie fördern Integration durch Schöpfertum. So erwuchs aus dem Freeform-Ansatz im Laufe der Jahre ein einzigartiger, krautiger Sound. Er nährt sich vom technoiden Groove und holprig vorgetragenen Lyrics, die induktive Einsicht in unser aller Umwelt gewähren. Die beobachtenden Texte handeln von Fahrstuhltechnik und Metaphysik, Aktienkurs und Liebesschwur.
In Ihrer Heimatstadt Hamburg gehören sie seit mehr als 20 Jahren zum festen Inventar, haben schon mit Künstlern wie Fettes Brot, The Robocop Kraus, Die Goldenen Zitronen und vielen anderen zusammengearbeitet. Station 17, was ist das? Ganz einfach: 12 Leute auf einer Bühne, eine einzigartige Soundwand die einen erschlägt und ein unglaublich gut klingendes, faszinierendes Chaos darbietet. Dies alles verpackt in eine riesige Wundertüte, denn bei Station 17 ist kein Konzert wie ein zweites. Hier wird gespielt, was die Musik in genau dem Moment verlangt.

Station 17 entsteht 1988 in Hamburg. Abgeschlossen von der Öffentlichkeit leben dort behinderte Menschen in Wohngruppen zusammen. In der Wohngruppe 17 entwickelt sich die Idee, gemeinsam mit nicht-behinderten Menschen Musik zu machen. Die Ursuppe von Station 17 ist gekocht.
Initiator des Musikprojekts ist der Hamburger Erzieher und Musiker Kai Boysen, der recht schnell Unterstützung findet. Mark Chung (Einstürzende Neubauten) vom Freibank Musikverlag ist begeistert und Station 17 nimmt Gestalt an. "Musik mit geistig behinderten Menschen muss von Anfang an gleich zwei Diskursfallen überlisten. Jenseits von gönnerischem Gutmenschentum und vorführender Freakshow müssen Station 17 ihre eigene künstlerische Sprache finden." Das ziehen sie bis heute erfolgreich durch.
Jeweils ein Behinderter aus Alsterdorf produziert zusammen mit einem nicht-behinderten Musikproduzenten einen Track. Zu den Produzenten der ersten Stunde gehören unterschiedlichste Musiker von Holger Czukay (Can), F M Einheit (Einstürzende Neubauten), Thomas Fehlmann (The Orb) bis zu den Toten Hosen. 1991 erscheint mit "Station 17" das erste Album. Die musikalische Bandbreite reicht von Heavy Metal über Rock, Electro und House bis zu Experimental Kunst.
Improvisationt plus Computer-Technik ist bis 1996 das Station 17-Konzept, bis ein erster Bruch in der Bandentwicklung stattfindet. Das Konzept der permanenten Improvisation funktioniert nicht mehr. Harre Kühnast speist daraufhin mit stoischen Minimal-Platten von LFO bis Basic Channel neue Ingredienzien ein, Disco kommt ins Spiel und 1997 doch wieder ein Album-Nachfolger. "Scheibe" bringt den Durchbruch im Musikgeschäft. Man tritt u.a. auf dem Hurricane Festival auf.
2001 folgt mit "Hitparade" das bis dato erfolgreichste Album, das auch strukturelle Veränderungen mit sich bringt. Ältere Mitglieder ziehen sich zurück, neue stoßen hinzu und bis auf Harre Kühnast und Kai Boysen, tauscht sich die Band zweimal komplett aus. Nach 2002 steigen schließlich Boysen und 2006 auch Kühnast als aktive Musiker aus.
Boysen wird Kopf einer eigens gegründeten GmbH, um den gewachsenen professionalisierten Bandanforderungen gerecht zu werden. 'Barner 16', in der gleichnamigen Barnerstr. 16 in Hamburg bietet die benötigte Infrastruktur für neue Seitenprojekte, wie z.B. das Rock-Cover-Bandprojekt kUNDEkÖNIG, ein eigenes Nachwuchsprojekt Allstars Tba, das Jazz-Projekt Turiajazz und das Wissenschaftliche Orchester.
Seit 2006 hat Station 17 mit 17rec. sogar ein eigenes Label. Kai Fischer (Echt) ersetzt Boysens Part an der Gitarre, neu hinzu kommt auch Bassist Nils Kacirek. Die Aufbruchsstimmung wird Anfang 2005 nur überschattet vom plötzlichen Tod von Michael Schlappkohl "Schlappi", der als Sänger und Texter fünf Alben aufgenommen und unzählige Konzerte gespielt hatte. "Mikroprofessor" (2006) zielt auf den Dancefloor und bleibt doch dem Musikkonzept treu. Sinnverstellte Textfragmente treffen auf elektronische Tanzmusik.
2008 folgt ein neues Projekt. Insgesamt sechs Vinyl-Maxis nebst Remixen erscheinen in zeitlichen Abständen von 4-6 Wochen, zusammen u.a. mit Fettes Brot, Stereo Total, Robocop Kraus und Melissa Logan (Chicks On Speed).