treibhaus

Kulturprogramm für Stadtbenützer

Spielplatz am Volksgarten. Angerzellgasse 8, 6020 Innsbruck. Geöffnet täglich von 10 bis 1

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KRZYSTOF DOBREK

aus der wüste nach - grinzing

"Bei uns klingt der Salsa zigeunerisch, der Tango wienerisch, der Jazz jiddisch und die Musette hat einen russischen Touch." Die musikalischen Provinzen klingen nach großer Welt, die große Welt vergisst ihre kulturellen Wurzeln nicht.
Die melodiöse Erotik des Tangos, die tiefe Melancholie russischer Weisen, die Eleganz des Pariser Musette-Walzers und die bunten Klangfarben der Wiener Musik - all dies wird zum multikulturellen Dobrek-Sound verschmolzen.
Weltmusik - ach, Schmarrn -, es sind Kompositionen mit Grenzüberschreitungen im geographischen wie stilistischen Sinn, die der Akkordeonist Krzysztof Dobrek für sich, den Geiger Aliosha Biz, den Perkussionisten LUIS RIBEIRO und den Bassisten ACHIM TANG ersann -  in einem Kessel, in dem  der gesamte musikalische Weltschmerz verkocht wird.

Eine Quetsch'n voller Straßenmusik
Der polnische Akkordeonist Krzysztof Dobrek, einer der wichtigsten Musiker der heimischen Weltmusik- Szene, im Porträt
Von
Ljubisa Tosic

Dass es ihn einst nach Wien verschlug, hat er seiner Abneigung gegen den Militärdienst zu verdanken. Mittlerweile ist der polnische Akkordeonist Krzysztof Dobrek einer der wichtigsten Musiker der heimischen "Weltmusikszene".

Wien – Klar, vorbei die Zeiten, da die Leute beim Namen Dobrek Bistro interessiert fragten, wo die Adresse dieses Lokals sei. Mittlerweile kennt man das Quartett um Akkordeonist Krzysztof Dobrek gut. Immerhin kommt es auf über 50 Konzerte pro Jahr. Und von seiner Debüt-CD (Extraplatte), die den virtuos zelebrierten Eklektizismus zwischen Latin, Tango und slawisch tänzelnder Melancholie in Liveatmosphäre präsentiert, wurden hierzulande immerhin in kurzer Zeit 5000 Stück verkauft.

Doch gut möglich, dass man den Mann und seine Musik schon viel länger kennt, ohne es zu wissen; gut möglich, dass man ihn für seine Dienste sogar im Vorbeigehen bezahlt hat. Es kann in Baden gewesen sein, wo er auf der Straße Operettenmelodien darbot. Oder auf der Wiener Kärntner Straße, wo er merkte, dass Gershwin japanische Gästen besonders spendabel machte. Das ist zwar länger her. Aber es ist nicht zu spät, dem polnischen Bundesheer dafür zu danken, dass es Dobrek zu einer Reise nach Wien animierte...

"Ich glaube, es war der 3. September 1990, da hörte ich, dass in Österreich bald die Visumpflicht für Polen eingeführt werden sollte. Gleichzeitig habe ich gespürt: Sie würde kommen, um mich zu holen! Das Heer hätte zwei Jahre meines Lebens verlangt. Ich war 23 und zu alt für so etwas. Ich beriet mich mit meiner Frau, dann haute ich ab. Ich hatte 200 Schilling und mein Akkordeon. Ich wusste nur, in Wien, da gibt es eine Straße der Musikanten. Um sie zu finden, kaufte ich mir um 25 Schilling einen Stadtplan."

Dobrek hatte Recht mit seinem Gefühl. Am 15. September kamen sie, um ihn zu holen. Nur, leider... Dass Zeit blieb, die Freiheit zu feiern, lässt sich nicht sagen. Er schläft bei Bekannten am Boden, und der erste Eindruck von der Kärntner Straße war doch ernüchternd: "Ich dachte, das wird schwierig. Jetzt ist die Straße eher tot. Damals gab es zwölf Kapellen, eine besser als die andere. Ich alleine mit der Quetsch'n? Ziemlich aussichtslos, wenn rechts neben dir sechs Peruaner singen und links von dir ein Streichquartett spielt!"

Lange Pause

Außerdem war das jene Zeit, als er eine achtjährige Akkordeonabstinenz zu beenden hatte – Dobrek hatte in Krakau Fagott studiert, ihn dürstete es nach Krawatte und Hochkultur. Doch irgendwie ging es, seine Frau kam nach, spielte mit ihm. Im Sommer Gitarre und im Winter Perkussion. Irgendwann konnte er sich sogar ein Bett und später ein WG-Zimmer leisten ("Ich wurde Kapitalist").

Dass er schließlich sein Visum verlor, weil er eine neu eingeführte Dreiwochenfrist versäumte, war zwar bedauerlich: "Gab es mich halt für Jahre nicht mehr. Dann habe ich angefangen, an der Musikhochschule zu studieren und bekam wieder ein Visum. Drei Semester lang war ich sehr fleißig." Langsam muss es sich schließlich herumgesprochen haben, dass hier ein versierter Musiker zugegen war. Zuerst landet er bei der Folk/Kabarettband Die Landstreichsic. Es folgten Projekte im Theater an der Wien, im Theater in der Josefstadt und im Burgtheater. Dobrek schaut auch bei der Tschuschenkapelle vorbei und wurde Akkordeonist von Maria Bill.

Einiges davon ist noch aktuell. Deshalb hat man wohl das Gefühl, dass Dobrek immer und überall ist. Bald wird sich zu Dobrek Bistro, beim kommenden Akkordeonfestival, das Projekt Dobrek Brasil hinzugesellen – "Ich mit vier Brasilianern, schau ma mal!".

Wohin er auch reist ("Sehr gutes Konzert in Ostfriesland!"), er wird in Wien bleiben. Auch spätere Konzertbesuche in Polen ("Man kann dort bis zum 28. Lebensjahr eingezogen werden!") konnten daran nichts ändern. Das belegt die Geschichte der Volksmusik in Polen:

"Alles, was mit ihr zu tun hatte, war verpönt, weil sie vom Kommunismus gefördert wurde. Wer das spielte, der, so meinte man, habe kollaboriert. Erst als 1993 Goran Bregovi´c einen Boom auslöste, kamen die Bands – wie Pilze nach dem Regen. Jazz war immer en vogue, das war die Sprache der Freiheit, und die Polen waren immer amerikafanatisch. Die Hierarchie war immer so: Kommunismus, Hölle, Himmel und drüber Amerika."

Sein Interesse an Folklore stammt allerdings doch aus der polnischen Zeit. "Ich hörte da immer einen jungen Roma auf der Straße – der konnte spielen, bist du deppert!". (DER STANDARD, Printausgabe, 4.2.2004)

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Es war Liebe auf den ersten Takt. Als sich der polnische Akkordeonist Krzysztof Dobrek und der russische Violinist Aliosha Biz bei den Proben zu "Anatevka" im Theater an der Wien das erste Mal trafen, schien klar, dass der folgende künstlerische Weg ein gemeinsamer sein würde. Aliosha und Krzysztof verfeinerten ihr empathisches Zusammenspiel zunächst im Burgtheaterensemble, als Begleitmusiker von Maria Bill und beim "Acoustic Drive Orchestra", ehe die Zeit reif war, eine gemeinsame musikalische Sprache zu verwirklichen, die zur Gänze die ihre war.

Mit Hilfe des Perkussionisten LUIS RIBEIRO und des Kontrabassisten ACHIM TANG hoben sie zur Jahrtausendwende "Dobrek Bistro" aus der Taufe. Die Bezeichnung des französischen Lokals kommt vom russischen "bystro" (schnell). Das Quartett bezieht sich mit seinem Namen also sowohl auf die virtuose Rasanz ihrer Darbietungen als auf die melancholische Eleganz, die Dobrek, der für alle Kompositionen verantwortlich zeichnet, beim Pariser Musette-Walzer so liebt.

Musette, lateinamerikanische Formen wie Salsa, Tango und Bossa Nova, Jazz, Gypsy Swing, klassische Einflüsse, die Musik des Balkans und Orients, der Roma und Juden Osteuropas sowie slawische Volksmusik sind die Zutaten dieser Stilmelange, für deren Bezeichnung Etiketten wie "Fusion" oder "Crossover" bereits zu abgegriffen sind. Wer weiß, vielleicht wird "Dobrek Bistro" einmal als eigenes Genre in die Musikgeschichte eingehen: zu verspielt, frontal und improvisativ, um Kammermusik zu sein, zu sehr traditionellen Formen Respekt zollend, um Jazz zu sein, - und doch zu sehr in klassischer Moderne und Modern Jazz gebildet, um bloß ethnische Salonmusik zu sein.

Ihre Küchengeheimnisse lasse man sich am besten vom Maître de Cuisine, Krzysztof Dobrek, beschreiben: "Bei uns klingt der Salsa zigeunerisch, der Tango wienerisch, der Jazz jiddisch und die Musette hat einen russischen Touch." Ja, und man könnte hinzufügen: Die musikalischen Provinzen klingen nach großer Welt, die große Welt vergisst ihre kulturellen Wurzeln nicht - bei "Dobrek Bistro".

 
KRZYSZTOF DOBREK

Krzysztof Dobrek wuchs am Rand der größten Sandfläche Mitteleuropas, der Bledowska-Wüste in Polen auf. Mit sieben begann er Akkordeonunterricht zu nehmen. Mit dreizehn ließ er Elternhaus und Akkordeon hinter sich, zog nach Krakau, um als Fagottist in die Welt der Klassik und des Jazz einzutauchen. Auf dem Weg zum Konservatorium hörte er eines Tages eine Romaband, was sein Musikverständnis nachhaltig veränderte. 1990 emigrierte Dobrek nach Wien und begann dort - nach zehn Jahren Abstinenz von diesem Instrument - wieder Akkordeon zu spielen. Krzysztof durchlief jahrelang die harte "Schule der Straßenmusik" - eine Schule, die er höher zu schätzen weiß als seine akademische Ausbildung -, ehe ihn die steirische Folk/Kabarettband "Die Landstreich" - vom Fleck weg - als ihren Chefinstrumentalisten anstellte. Es folgten Projekte im Theater an der Wien, im Theater in der Josefstadt und im Burgtheater. Er spielte beim Acoustic Drive Orchestra und der Tschuschenkapelle und ist Akkordeonist von Maria Bills Edith-Piaf- und Jacques-Brel-Revuen. Krzysztofs Kompositionen werden u. a. von namhaften Ensembles wie Mnozil Brass, Triology und den Wiener Concert Schrammeln interpretiert.

Ausgewählte Diskografie
Die Landstreich / Herzschrittmacher
Die Landstreich / Spenden Sie
Die Landstreich / Stau
Maria Bill / Maria Bill singt Edith Piaf
Maria Bill / Maria Bill singt Jacques Brel
Wiener Tschuschenkapelle / ...und davon


 

Salzburger Nachrichten, 28. Juni 2002
Das Quartett "Dobrek Bistro" mit Weltmusik gastierte am Mittwoch beim Hallein-Festival

Die melodiöse Erotik des Tangos, die tiefe Melancholie russischer Weisen, die Eleganz des Pariser Musette-Walzers und die bunten Klangfarben der Wiener Musik - all dies wird zum multikulturellen Dobrek-Sound verschmolzen. (Michael Stadler)

Oberösterreichische Nachrichten, 18. März 2002
VIRTUOS: "Dobrek Bistro" in St. Florian
Grenzenlose Musikwelt

Weltmusik - ach, Schmarrn -, es sind Kompositionen mit Grenzüberschreitungen im geographischen wie stilistischen Sinn, die der Akkordeonist Krzysztof Dobrek für sich, den Geiger Aliosha Biz, den Perkussionisten Daniel Klemmer und den Bassisten Peter Strutzenberger ersann. (thek)

Die Presse, 26. November 2001
Aus der Wüste nach Grinzing

"Dobrek Bistro" begeisterten im Porgy & Bess mit ihrer spezifischen Klangmelange.

Melancholischer als gewohnt verzauberten "Dobrek Bistro" am Freitag das Wiener Porgy & Bess in einen Kessel, in dem, so scheint's, der gesamte musikalische Weltschmerz verkocht wurde.
Ungemein virtuos, mit extremer Dynamik im Kleinsten, zugleich äußerst sensibel, nähern sich Dobrek und Biz ihrer Melange aus Südamerikanischem, Osteuropäischem mit Stettl- Charakter, Orientalischem, der Roma-Musik und der Pariser Musette - die selbst reinrassige Mischkulanz ist.
Wenn dann Astor Piazzolla, der Großmeister des Akkordeons, von Dobrek auf einem Kamel durch die Wüste oder auf ein Vierterl nach Grinzing transferiert wird, offenbart sich die bestechende Eigenart von Dobrek Bistro: Die auf den ersten Blick kaum zu vereinbarenden Philosophien der verschiedensten Stile werden umgedeutet und in einen neuen Sinnzusammenhang gestellt - "Weltmusik" im besten Sinn eben. (ku)

Gazeta Wyborcza, 23. November 2001
"Dobrek Bistro" - Magie

.......und dann spielten sie. Magie. Musik, zusammengefügt aus Schall, Raum und Stille. Keine Übertreibung, kein Utrieren. Die Freude am Schaffen, am künstlerischen Schaffen während des Konzerts. Die Passion, die allgegenwärtigen Weltkulturen, welche scheinbar, wie es sich zeigte, so leicht unter einen Hut zu bringen sind. Die Lust sich mit den Gefühlen mitzuteilen, sprudelte aus jedem Ton. Und alles mit natürlicher Leichtigkeit, aufgesaugt mit allen fünf Sinnen, was die Kraft und Wonne des Schaffens direkt nachvollziehen lässt. (Pawel Odorowicz) orig. polnisch


jazzzeit.at, September 2001
Fest der Bevölkerung

.....Die Dobrekisten Krzysztof Dobrek (Akkordeon), Aliosha Biz (Violine), Peter Strutzenberger (Bass) und Daniel Klemmer (Percussion) mutieren langsam aber doch zu den besten heimischen Live-Acts. Ihr mitreißendes interagierendes Spiel bietet viel Platz für Improvisationen und noch mehr Raum, um die Bevölkerung in die Melodien so ordentlich eintauchen zu lassen. Inspirierte Musik aus allen nur erdenklichen Ecken und Winkeln der Welt, zusammengefügt zu einem kompakten Sound mit Wiedererkennungseffekt. (Manfred Horak)


Concerto, 6/2000
Zu Gast im Dobrek Bistro

Wenn es ein Prädikat für den sinnlichsten Akkordeonisten Wiens gibt, dann geht diese Auszeichnung an Krzysztof Dobrek.
(Susanne Linzer)