treibhaus

Kulturprogramm für Stadtbenützer

Spielplatz am Volksgarten. Angerzellgasse 8, 6020 Innsbruck. Geöffnet täglich von 10 bis 1

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VIBRATANGHISSIMO

Tango im Glanz seiner Möglichkeiten: träumerisch, markant und verwegen.DIE ZEIT

Sehnsucht! Leidenschaft! Melancholie! Mit kaum einer anderen Musik verbindet man diese Gefühle mehr als mit dem Tango. All das findet sich in der Musik des deutsch-argentinischen Quartetts Vibratanghissimo wieder, die in Berlin, Europas Tango-Hauptstadt, leben und arbeiten. Ihr aktuelles Album  „Ciudades…Berlin“ ist der Auftakt einer CD-Trilogie, die den Tango-Metropolen Berlin, Paris und Buenos Aires gewidmet ist.
Ganz im Stile des Tango Nuevo verbinden die vier Musiker virtuos und mitreißend Tango und Jazz mit Worldmusic-Einflüssen zu einer Musik, der man sich nicht entziehen kann.

Juan Lucas Aisemberg - Viola, Bratsche  (Musiker im Orchester der Deutschen Oper Berlin)
Oli Bott - Vibraphon
Tuyêt Pham - Piano
Arnulf Ballhorn - Kontrabass (Orchester der Komischen Oper Berlin)

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Tango, Jazz und World - ganz im Stile des Tango Nuevo kombiniert Vibratanghissimo unterschiedliche Stilrichtungen zu einem faszinierenden musikalischen Erlebnis. Von der ersten Note an zieht die Magie dieser Musik die Zuhörer in ihren Bann. Die vier Ausnahmemusiker beherrschen das Spiel mit den unterschiedlichen Genres perfekt: ob schmachtende Tangovariationen auf der Bratsche, spannende Jazzimprovisationen am Vibraphon, raffinierte Klavierklänge oder überraschende Kontrabass-Soli - das Quartett findet stets die richtigen Töne. Jeder Musiker darf sein virtuoses Können solo ausleben, doch das harmonische Zusammenspiel ist es, was den eigentlichen Zauber des Phänomens Vibratanghissimo ausmacht. Dem Tango wird ja an sich Ausdrucksstärke nachgesagt - wenn man ihn dann so interpretiert wie das Berliner Quartett, wird das Ganze zu einem aufregenden musikalischen Feuerwerk!

Juan Lucas Aisemberg wurde 1967 in Budapest als Sohn einer argentinischen Musikerfamilie geboren und wuchs in Italien auf. Er studierte in Rom bei Lina Pettinelli, in Gstaad bei Alberto Lysy, in Berlin bei Bruno Giuranna und in Köln beim Amadeus Quartett. Seit 1993 ist er Bratschist im Orchester der Deutschen Oper Berlin, spielt regelmäßig in diversen ammermusikalischen Ensembles und ist Mitgründer von „NoviTango". Er arbeitete mit Künstlern wie Richard Galliano, Maximiliano Guerra und Gustavo Beytelmann, gab weltweite Konzerttourneen und wirkte bei zahlreichen Plattenproduktionen im In- und Ausland mit.

Oli Bott studierte Vibraphon und Komposition am Berklee College of Music in Boston bei Lehrern wie Gary Burton und Bob Brookmeyer und schloss mit „summa cum laude" ab. Seitdem ist er freischaffender Musiker in Berlin, erhielt mehrere Stipendien des Berliner Senats und viele Kompositionsaufträge für sein eigenes Jazzorchester. Zahlreiche seiner Konzerte im In- und Ausland wurden von Rundfunk und Fernsehen mitgeschnitten. Er gewann Preise bei vielen internationalen Wettbewerben wie zum Beispiel den NDR Musikpreis für Jazzdirigenten, den 1.Preis des Leipziger Improvisationswettbewerb, den Europ Jazz Contest und den Wayne Shorter Award, USA.

Tuyêt Pham wurde in Paris als Kind vietnamesischer Eltern geboren. Ihre musikalische Ausbildung erhielt sie am Conservatoire National Supérieur de Musique de Paris und an der Ecole Normale de Musique de Paris bei Annie d'Arco und Germaine Mounier. Sie schließt Ihr Studium mit Auszeichnung ab und kommt als DAAD Stipendiatin nach Berlin, wo sie ihr Klavierstudium an der Hochschule der Künste Berlin bei Prof. Klaus Hellwig fortsetzt. Dort wurde sie auch Schülerin von György Sebök, Aribert Reimann und Dietrich Fischer-Dieskau für Liedbegleitung. Sie konzertiert im In- und Ausland, vorwiegend in Ensembles und spielt unter anderem mit Mitgliedern der wichtigsten Berliner Orchester. Neben dem klassischen Repertoire spielt sie Werke lateinamerikanischer Komponisten.

Arnulf Ballhorn studierte bei Professor Zepperitz an der HdK Berlin und schloß 2004 mit dem Konzertexamen ab. Seit 2000 ist er Mitglied des Orchesters der Komischen Oper Berlin. Sein besonderes Interesse gilt der Zeitgenössischen Musik und als Kontrabassist des „Kammerensemble Neue Musik Berlin" hat er auf vielen internationalen Festivals konzertiert. Seine Kenntnisse des Jazz hat er durch Privatunterricht u.a. bei Miroslav Vitous, Renaud Garcia-Fons und Gary Willis erweitert.

PRESSESTIMMEN

"Tango im Glanz seiner Möglichkeiten: träumerisch, markant und verwegen." DIE ZEIT
"Träumereien mit Sprengkraft!" Der Tagesspiegel
"Brillant!" Kulturradio

"Große leidenschaftliche Musik!" STICKS
"Eine atemberaubende Übung in Delikatesse und Subtilität" Jazzthing
"Bei dem Quartett gerät der Tango zum vibrierenden Erlebnis." Berliner Zeitung
"Träumereien mit Sprengkraft: Aisemberg gleitet und stürzt auf seiner Viola durch die Melodien, Ballhorn bearbeitet den Kontrabass mit Bogen und Fingerkuppen, am Flügel schwelgt Pham zwischen elegischen Legati und pointierten Staccati, während Bott das Geschehen auf den Metallplatten elegant kommentiert." Der Tagesspiegel Berlin
"Just listen how good they are" P2, Danish Radio
"Die Mischung aus Elementen der Klassik, des Jazz und Tangos sowie der zeitgenössischen Musik überzeugt und macht diese CD zu einem Hörgenuss. Manche Stücke muten geradezu mystisch an." neue musikzeitung
"Das Berliner Quartett umschifft stilsicher die Klippen gängiger Klischees, umkreist den Tango lustvoll in einem Crossover aus Jazz und kammermusikalischem Feeling, schwelgt in einer träumerischen Suite und kommt dabei richtig zur Sache. Hier sitzt jeder Handgriff, jede Note. Und als Zuhörer verwandelt man sich vom eiligen Passanten in einen Tänzer, der plötzlich nirgendwo mehr hin muss. Hörenswert." TIP Berlin
"Die Tangos aus Vibratanghissimo aktuellen Album "Ciudades...Berlin" erzählen vom Tempo der Hauptstadt, wie sie lebt, arbeitet und feiert. Vibraphon und Bratsche übertrumpfen sich gegenseitig in Läufen und Schnelligkeit, treiben sich zum Höhepunkt und treffen sich schließlich, um gemeinsam zur Ruhe zu kommen und die "tote Stunde" zu zelebrieren." Deutsche Welle
"Das Berliner Quartett hat sich dem Tango Nuevo verschrieben und frönt dieser Leidenschaft in einem gleichermaßen virtuosen wie sensiblen Parforceritt auch auf seinem jüngsten Album mit Kompositionen von Astor Piazzolla, Oli Bott und Helmut Abel." RBB Kulturradio


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TAGESSPIEGEL
Träumereien mit Sprengkraft
Von Roman Rhode

Tango trifft Jazz trifft Klassik: Das Berliner Quartett Vibratanghissimo spinnt Astor Piazzolla weiter. Sie kombinieren Piano, Kontrabass, Vibrafon und Viola und entwickeln damit einen ganz eigenen Stil.

„Wir sind viel zu nett“, findet Bratschist Juan Lucas Aisemberg und setzt den Bogen ab. „An dieser Stelle muss es wie eine Explosion klingen!“ Astor Piazzollas Stück „Contrabajeando“ erhält den letzten Schliff. Aisemberg hat es für das neue Album arrangiert und dem einleitenden Kontrabass eine schöne, schroffe Stimme gegeben. Zwei Versuche noch, und der abrupte Wechsel vom leisen Intro zum bewegten Thema bekommt die gewünschte Sprengkraft.

Zur Feinabstimmung vor dem nächsten Konzert haben sich die vier Musiker in der Charlottenburger Wohnung der Pianistin eingefunden. Glücklicherweise stört das die Nachbarn nicht. Unten wohnt eine Violinistin, nebenan ein Bogenbauer, oben ein Jazzbassist.

Zum Luftholen verzichtet die Band allerdings auf den Balg eines Bandoneons. Stattdessen sorgt ein Vibrafon für frischen Wind. Bott, der einzige Jazzer in der Gruppe, studierte am Berklee College of Music bei Gary Burton, einem der großen Lyriker unter den Vibrafonisten. Von diesem Instrument war auch Piazzolla, Bandoneonist und Schöpfer des Tango Nuevo, fasziniert. Eigens für Burton hatte er eine Suite für Vibrafon geschrieben, die beide gemeinsam 1986 auf dem Jazzfestival in Montreux aufführten. Ein Stück Musikgeschichte, von dem sich das Berliner Quartett inspirieren ließ.

„Tango meets Jazz“ heißt es deshalb auf dem ersten, 2006 erschienenen Album von Vibratanghissimo, einer Hommage an Astor Piazzolla. Doch eigentlich treffen hier Tango, Jazz und Klassik aufeinander. Denn außer Bott spielen die drei anderen Musiker sonst in klassischen Ensembles: Kontrabassist Arnulf Ballhorn an der Komischen Oper, Juan Lucas Aisemberg an der Deutschen Oper, während die freischaffende Pianistin Tuyêt Pham bereits mit allen wichtigen Berliner Orchestern zusammengearbeitet hat. Auch dass die Instrumente bei Vibratanghissimo gleichberechtigt alle Stimmen führen können, erinnert eher an ein klassisches Streichquartett.

Sie ergänzen einander und finden auf wunderbare Weise zusammen: Ballhorn, der ebenso wie das Piano den Takt vorgibt, hat seinem Kontrabass eine fünfte, höhere Saite verpasst, die klanglich der tiefsten Stimmung der Bratsche entspricht und dem großen Instrument die Schwere nimmt. Pham ist am Flügel zwar das Gravitationszentrum und kann sogar die Bässe übernehmen, dem Vibrafon aber kommt sie nicht in die Quere. Bott nutzt das Vibrafon mal als sanftes Schlagzeug, mal als Piano, bringt allerlei Akkordeffekte hervor und zieht dennoch mit seinen vier Schlegeln eine hörbar feine Grenze zu den Hämmern des Flügels. „Die Ähnlichkeit zueinander“, sagt Bott, „befreit das jeweils andere Instrument.“

Der Bezug auf Piazzolla ist daher Programm. Juan Lucas Aisemberg, der im europäischen Exil geborene und aufgewachsene Sohn argentinischer Musiker, reiste nach dem Fall der Militärdiktatur erstmals nach Buenos Aires, wo er „eine strikte Trennung von Tango und Klassik“ beobachtete. Piazzolla aber war es gelungen, sie in einem Befreiungsschlag aufzuheben. Er reicherte den traditionellen Tango mit neuen Harmonien, Taktsprüngen, kantigen Melodien und Jazzelementen an, machte ihn mit Bartók, Ravel und Schönberg bekannt. Doch vor allem lässt seine Musik Raum fürs Improvisieren. „Wenn wir Piazzollas Stücke spielen und sie aufsprengen“, so Bott, „überraschen wir uns jedes Mal selbst. Und das setzt eine ganz neue Energie frei.“

Die haben sich auch die beiden überwiegend klassisch geschulten Mitglieder der Band zu eigen gemacht: Tuyêt Pham, Tochter vietnamesischer Eltern aus Paris, studierte dort Klavier am Conservatoire National Supérieur; Arnulf Ballhorn, der aus Süddeutschland stammt, schloss sein Kontrabass-Studium an der Berliner HdK mit dem Konzertexamen ab. Seine Tango-Affinität vergleicht Ballhorn mit dem historischen Vorbild des Genres: „Auch beim ursprünglichen Tango trafen ganz unterschiedliche Musiker im Exil aufeinander, um gemeinsam zu träumen.“

Vor zehn Jahren gaben Vibratanghissimo ihr erstes Konzert in Berlin, etliche Auftritte sowie Tourneen durch Deutschland, die Schweiz und Italien folgten. „Wir haben unsere gemeinsame Sprache gefunden, jetzt können wir erzählen“, schmunzelt Ballhorn. Das kürzlich erschienene Album „Ciudades ... Berlin“ (Big Tone Records) ist der Auftakt zu einer CD-Trilogie, die den Tangometropolen Berlin, Buenos Aires und Paris gewidmet ist. Auch hier verschreiben sich Vibratanghissimo der Idee des Tangos im Glanz seiner Möglichkeiten. Oli Bott, der vier Eigenkompositionen beigesteuert hat, nennt sein Stück „Berlin“ augenzwinkernd „eine türkische Samba“. Es ist Teil einer Suite, die wie ein raffinierter Fall durch die Spiegel der Großstadt klingt, träumerisch, markant und verwegen.

Das Tango-Feeling überkam Bott während seines Studiums in Berklee. Dort tauschte er sich mit argentinischen Kommilitonen aus, die Begeisterung für Piazzolla und später die Begegnung mit Aisemberg vertieften sein Gespür für die besondere Stimmung. „Und im kulturell offenen Berlin haben wir die unterschiedlichsten Musiker, aufgeschlossene Ohren und viele Auftrittsorte, um uns weiterzuentwickeln“, sagt Bott. Wiederholt sind Vibratanghissimo auf den Lunchkonzerten in der Philharmonie zu hören gewesen, jetzt spielen sie im Jazzclub A-Trane, wo sie ihr neues Album vorstellen.

Also zurück zur Probe. Aisemberg gleitet und stürzt auf seiner Viola durch die Melodien, Ballhorn bearbeitet den Kontrabass mit Bogen und Fingerkuppen, am Flügel schwelgt Pham zwischen elegischen Legati und pointierten Staccati, während Bott das Geschehen auf den Metallplatten elegant kommentiert. „Hier hat mir das Accelerando etwas gefehlt“, merkt der Vibrafonist plötzlich an. Doch die Frage nach dem Tempo wird keine knifflige Tüftelei, sondern das intuitive Ausloten weiterer Möglichkeiten. Zum Schluss zeigen sich alle zufrieden. Thuyêt Pham strahlt: „Wir verstehen uns ohne Worte!“